Meinung : DB-Gipfeltreffen: Die Bahn, das Wetter und die hohen Löhne

Margarita Chiari

Das Vertrauen in die Bahn scheint ausgerechnet bei einzelnen Gewerkschaftsvertretern nicht mehr groß zu sein. Einige Funktionäre hatten es vorgezogen, für ihre Anreise zu Tarifverhandlungen am Freitag in Berlin das Flugzeug zu buchen. Das war unklug: Weil das Schneechaos in Norddeutschland den Flugverkehr lahm legte, musste das Treffen nun auf Montag verschoben werden. Bahnchef Hartmut Mehdorn mag sich über die Werbung für die Bahn gefreut haben. Aber die Zeit wird knapp. Seit gut vier Monaten wird um den neuen Tarifvertrag bei der Bahn gestritten, der eine Senkung der Lohnkosten und die Annäherung an das Niveau der privaten Wettbewerber bringen soll. Am kommenden Mittwoch läuft die Frist aus. Ohne Einigung droht Streik - der angesichts der Finanzmisere des Unternehmens wohl kaum auf breites Verständnis stoßen dürfte. Das wissen auch die Gewerkschaften. So ist es nicht völlig überraschend, dass nun einer aus ihren Reihen - nämlich Transnet-Chef Norbert Hansen - mit einer Kompromiss-Lösung aufwartete: Sein Vorschlag, vom Flächentarif abzurücken und flexible, auf die jeweilige Branche abgestimmte Verträge abzuschließen, mag manchen Bahn-Gewerkschafter noch empören. Doch es wäre ein Schritt hin zur Realität: Im Nahverkehr und bei den Gütertransporten schnappen die knapper kalkulierenden Wettbewerber der Bahn zunehmend Aufträge weg. Gehen weitere Umsätze verloren, muss auch der Stellenabbau beschleunigt werden. Doch vielleicht nährt eine entspannte Bahnfahrt am Wochenende noch die Einsicht der Funktionäre.

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