DDR-Vergangenheit : Links, wo der Schmerz sitzt

Wie schlimm war die DDR wirklich? Die CDU weiß es ganz genau - behauptet sie zumindest. Oder ist die die Kritik am Unrechtsstaat nur ein Angriff auf die Linke?

Matthias Schlegel

Die CDU ist in Sorge um die Deutungshoheit über die DDR-Vergangenheit. Sie verlangt offensivere Aufklärung über den Unrechtscharakter des SED-Staates und die Gründe für sein Scheitern. Sie ruft in Erinnerung, dass die Linkspartei, die so gern auf manche soziale Errungenschaft aus alten Zeiten verweist, aus jener SED hervorging, die die DDR herunterwirtschaftete und die Menschen einsperrte. Tut es not, das ins Gedächtnis zu rufen? Leiden die Ostdeutschen an kollektiver Amnesie?

Oder hat das Ganze nur eine einzige Stoßrichtung: die Linken, die sich breitmachen in Ost und nun auch West, als Verderber zu desavouieren, die von ihrem schon einmal missglückten Experiment partout nicht lassen können? Tatsache ist, dass – von den Schulen einmal abgesehen – sicherlich nicht zu wenig über die DDR aufgeklärt wird. Wer sich informieren will, kann das tun – ob in Gedenkstätten am Todesstreifen oder in Alltagsmuseen, in Opferverbänden, bei Aufarbeitungsinitiativen, in zahllosen Büchern, in 182 Kilometern Stasiakten oder bei Mutter und Vater. Aber wer das nicht wissen will, weil die Erkenntnisse vielleicht kollidieren würden mit dem in die Seele eingebrannten eigenen Bild von der Vergangenheit, der wird sich auch von der CDU die DDR nicht erklären lassen.

Deshalb wird das CDU-Papier nicht viel mehr bewirken als Polarisierung. Es wird jene bestätigen, die als CDU-Anhänger um die unmissverständliche und kritische Sicht der Partei auf die DDR-Vergangenheit wissen und sie deshalb schätzen. Und es wird jene vor den Kopf stoßen, die in den Konservativen schon immer die Kalten Krieger sahen, die die DDR jahrzehntelang in Anführungszeichen schrieben. Das mag wohlfeil sein im Wahlkampf gegen die Linkspartei. Und dass dabei viele Stimmen für die CDU im Osten herausspringen werden, muss stark bezweifelt werden. Das allerdings ist ein Phänomen, das eigentlich auch mit in das Papier gehört hätte.

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