Dealende Kinder : Geschlossene Heime: Mit gebotener Ungeduld

Klaus Wowereit ist für geschlossene Heime. Es geht dabei nicht um Horrorvorstellungen von Kinderknästen, sondern um die Kinder. Weil aber sowohl seine Partei als auch der Koalitionspartner dagegen sind, wird es bei Rot-Rot wohl noch dauern. Dafür hat Wowereit bei den Wählern gepunktet.

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Nicht zu fassen. Adnan ist 13 und hält die Stadt in Atem. Der strafunmündige Libanese narrt die Polizei mit über 100 Straftaten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit fordert, kriminelle Kinder notfalls in geschlossenen Heimen „wegzusperren“. Kommt Ihnen bekannt vor? Richtig. Nur hat Berlins Regierungschef das nicht jetzt gesagt, sondern schon 2007.

Kriminelle Kinder sind nichts Neues in Berlin. Nun ist es der angeblich 11-jährige Jamal, der vielfach die Polizei beschäftigte. Die Namen wechseln, die Problematik bleibt, und geschlossene Heime gibt es immer noch nicht. Warum hier die Türen offen stehen, mögen die dealenden Kinder vielleicht nicht verstehen. Dafür verstehen sie sehr genau, dass ihnen niemand kann, wenn sie angeben, jünger als 14 Jahre zu sein.

Es ist reiner Zufall, dass sich die Berliner Jugendämter, Heime, die Polizei und die Landesregierung so hilflos zeigen im Umgang mit kriminellen Kindern und zeitgleich das Buch der verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig erscheint. Darin könnte der Regierende Bürgermeister viele Hinweise finden, was in Berlin falsch läuft, schon 2007 falsch gelaufen ist. Die Jugendrichterin hat dagegen gekämpft, dass Kinder aus türkischen und vor allem arabischen Familien in kriminelle Karrieren rutschen. Sie hat dafür gesorgt, dass nun in ganz Berlin junge Straftäter schon kurz nach der Tat einen Prozess bekommen und nicht so spät, dass die Tat verblasst und der erzieherische Effekt verpufft ist.

Um kriminelle Karrieren frühzeitig zu stoppen, braucht es vor allem Konsequenz. Jeder sogenannte jugendliche Intensivtäter sei als notorischer Schulschwänzer aufgefallen, schreibt Heisig. Doch die Schulen arbeiten nicht ausreichend mit dem Jugendamt und der Polizei zusammen, um frühzeitig einzugreifen. Datenschutz verhindert Opferschutz: Die Kinder sind Opfer ihrer kriminellen Familien. Auch Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch, bekannt für besonnene Worte, kritisiert Defizite bei den Jugendämtern und fragt, warum es nicht mal eine Einrichtung gibt, die straffällige Kinder so lange festhalten kann, bis über ihren Aufenthalt in fernab von Berlin gelegenen Heimen entschieden ist. Und er beklagt wie Heisig, dass kriminelle Kinder nicht schneller aus ihren Familien genommen werden.

Wowereit, der seine Karriere als Schulstadtrat in Tempelhof begann, hat zu diesen Vorschlägen nichts gesagt. Richtig bleibt trotzdem, dass er sich für die bei Rot-Rot tabuisierten geschlossenen Heime ausgesprochen hat. Es geht dabei nicht um überholt-gestrige Horrorvorstellungen von Kinderknästen; es geht auch nicht darum, dass Abgeordnete ihre eigene Ideologie retten – es geht um die Kinder. Weil sich aber sowohl seine eigene Partei als auch der linke Koalitionspartner dagegen positioniert haben, wird es bei Rot-Rot wohl noch dauern mit den geschlossenen Heimen. Dafür aber hat Wowereit ein paar Punkte bei den Wählern gemacht, wie schon vor drei Jahren. So viel zu nachhaltiger Politik.

Geschlossene Heime lassen sich schneller fordern als mit allen Beteiligten und der gebotenen Ungeduld über alarmierende Entwicklungen zu sprechen. Was möglich ist, hat Berlin beim Kampf gegen strafmündige jugendliche Intensivtäter gezeigt. Die enge Kooperation von Justiz, Ämtern und Polizei und die Bündelung aller Verfahren bei einem Staatsanwalt gilt inzwischen bundesweit als beispielhaft. Jetzt geht es um die Kinder, ob sie nun Adnan heißen oder Jamal.

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