Debatte über das Betreuungsgeld : Parlament in Hochform

So voll, so lautstark und so emotional wie am Donnerstag war es selten im Bundestag. Das liegt am Inhaltlichen, ganz klar, das Betreuungsgeld ist ideologisch aufgeladen wie kaum ein anderes Thema. Den einen ist es eine Belohnung fürs Fernhalten der Kinder von Bildungsstätten und für die verachtete Lebensform des „Heimchens am Herd“. Die anderen sehen es als Instrument gegen staatliche Bevormundung. Weiter auseinander geht es kaum. Die geradezu lustvolle Emotionalität der Betreuungsgeld-Debatte erklärt sich aber auch damit, dass die Politiker nach der hochkomplexen Euro- und Finanzkrise endlich wieder ein klar umrissenes, für alle durchschaubares Streitthema hatten. Außerdem gab es eine Vorgeschichte. Im ersten Anlauf kam der Disput wegen leerer Stühle und legitimer Trickserei der Opposition nicht zustande, im zweiten war schon deshalb ordentlich Musik drin. Daran ist nichts Schlimmes, im Gegenteil. Man sollte nicht über fehlende Beachtung des Parlaments klagen, wenn man dort alles nur aalglatt und geschäftsmäßig abhandeln möchte. Sofern es der Entscheidungsfindung dient, darf es in dem ehrwürdigen Gremium ruhig mal etwas lauter zugehen. raw

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