Debatte um Betreuungsgeld : Frauen, denkt über Eure Partnerwahl nach!

Karrieremänner kommen bei Frauen oft besser an als Männer, die sich um die sogenannte Familienarbeit kümmern wollen. Gleichzeitig lautet die herrschende Meinung, dass Männer es falsch machen, wenn sie sich für viel Beruf entscheiden und ihr Kind selten sehen.

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Unser Autor Harald Martenstein.
Unser Autor Harald Martenstein.Foto: ddp

Ich bin natürlich ebenfalls gegen das Betreuungsgeld. Vor allem deswegen, weil nur Ideologen „Familie“ für einen absoluten Wert halten. Manche Familien tun den Kindern gut, andere nicht. Aber mir fällt wieder einmal auf, dass bei uns „Kinder“ in der öffentlichen Diskussion fast nur noch als Belastung auftauchen, als etwas Lästiges. Kinder hindern uns angeblich daran, die wirklich wichtigen Dinge zu tun. In Wirklichkeit sind Kinder wunderbar – nicht 24 Stunden am Tag, schon klar, aber sehr oft. Warum sagt das keiner?

Viele Frauen wollen immer noch einen Mann haben, der auf der sozialen Leiter über ihnen steht. In dieser Hinsicht hat sich wenig verändert. Das ist sehr ungünstig für den Mann. Wenn ein Mann sagt, Karriere ist mir egal, Geld ist mir egal, ich kümmere mich gerne um die Kinder und wische Staub, ich suche mir eine gut verdienende Karrierefrau, dann hat er auf dem sogenannten Partnermarkt schlechtere Karten. Dazu gibt es Studien. Der Typ mit Sechzig-Stunden-Woche und Porsche scheint im Schnitt besser anzukommen. Also, liebe Frauen, bevor ihr euch über die Männer beklagt, denkt über eure Auswahlkriterien nach.

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Herzlich Willkommen im Tagesspiegel Salon
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Eine ideale Welt sähe, auch für mich, so aus: Männer und Frauen kümmern sich gleichberechtigt um die Kinder, niemand wird deswegen krumm angeschaut. Seit einigen Jahren lautet allerdings ein Glaubensgrundsatz unserer Gesellschaft, dass nur bezahlte Arbeit etwas Anerkennenswertes ist, dass die Kindererziehung eine Aufgabe des Staates sein soll und dass sogenannte Familienarbeit nur etwas für Zurückgebliebene und Dumme darstellt. Es herrscht da allerdings eine Doppelmoral. Frauen, die sich für viel Beruf entscheiden und ihr Kind möglichst früh in die Krippe bringen, machen es richtig. Männer, die sich für viel Beruf entscheiden und ihr Kind selten sehen, machen es falsch. So lautet die herrschende Meinung. Trotzdem kommen Karrieremänner bei den Frauen oft besser an. Das ist alles verdammt widersprüchlich.

Seit Jahren wird „Beruf“ für das Selbstbild der Leute immer wichtiger. Interessanterweise werden die Leute gleichzeitig immer schlechter bezahlt. Mein Großvater konnte, als Arbeiter, noch eine Familie ernähren. Das wäre in seinem Job heute nicht mehr möglich. Wenn zwei Leute heute Normalverdiener sind, dann müssen beide arbeiten gehen, wenn sie in Urlaub fahren und eine gute Wohnung haben möchten. Man nennt es Emanzipation, man könnte es aber genauso gut einen sozialen Zwang nennen, eine Folge der Lohnabsenkung.

Soll ich ein Geheimnis verraten? Es macht mehr Spaß, sich um Kinder zu kümmern, als im Supermarkt an der Kasse zu sitzen, am Fließband zu stehen oder im Callcenter zu telefonieren. Darüber spricht man nicht! Es stimmt aber.

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