Debatte um Easyjet : Weil wir auf billig stehen

Geiz ist geil. Und Qualität hat ihren Preis. Beides zusammen geht nicht. Ein Kommentar.

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An der jüngsten Aufregung um den Billigflieger Easyjet, der wegen annullierter und unpünktlicher Flüge in die Kritik geraten ist, wird augenfällig, dass unser Realitätssinn und unsere Ansprüche entgegengesetzte Richtungen eingeschlagen haben. Fliegen ist billiger geworden. Was früher Zeichen für Luxus und Weltläufigkeit war, hat sich seit Anfang des Jahrtausends demokratisiert. Vor 20 Jahren kostete die Strecke Berlin–Rom und zurück rund 500 Mark, heute kommt für 500 Euro eine vierköpfige Familie dorthin. Wenn die Maschine fliegt. Darauf, dass das Flugzeug abhebt und zwar pünktlich, muss sich der Kunde verlassen können. Tut es das nicht, steht dem Passagier laut Verordnung eine Entschädigung zu.

Aber was können wir, dürfen wir darüber hinaus erwarten? Bei einem Flug zum Preis einer Taxifahrt? Wir wollen First- Class-Reisen in der Holzklasse – und das ist illusorisch. Dass Flüge überhaupt so günstig angeboten werden können, hat seinen Preis. Nur weil die Billigflieger konsequent auf Dienstleistungen und Service verzichten, ist ein Ticket Berlin–London für 15 Euro überhaupt möglich. Freilich nur mit Handgepäck, ohne Sitzplatzreservierung und den Tomatensaft an Bord. No frills nennen das die Fluglinien. Schnickschnack kostet.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass vieles preiswerter oder sogar kostenlos geworden ist – ob Telefongespräche ins Ausland wie auch überall und rund um die Uhr verfügbare Information. Im Internet besorgen wir uns Videos, Musik, Restauranttipps. Und sind deshalb kaum noch bereit, für Qualität und Service zu bezahlen. Das ist auch in anderen Lebensbereichen nicht anders. Wer beim Discounter Schweinekamm für 2,99 Euro pro Kilo kauft, kann nicht erwarten, dass er dafür von Hormonen unbelastetes und schmackhaftes Fleisch aus artgerechter Haltung bekommt. Solch Denken ist nicht nur abgehoben – es wird uns auch teuer zu stehen kommen.

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