Debatte ums Schloss : Ins Herz gestoßen

Was für ein Schauspiel. Ein Stararchitekt zieht einen alten Entwurf aus der Schublade und bringt Deutschlands größtes Kulturprojekt in Not. Das Genie, das bei der Münchener Pinakothek aufblitzt, steckt dessen Baumeister Stefan Braunfels nun in die Werbung, in eigener Sache. Schade eigentlich, dass er die Energie nicht in die vielen neuen Architektur-Wettbewerbe investiert. Die Stadt hat es bitter nötig. Die Qualität unserer Neubauten ist zuweilen beklagenswert. Und dass die Schlossbaustelle nicht mehr zu stoppen ist, müsste Braunfels eigentlich wissen. Aber vielleicht wurde er auch einfach nur mitgerissen von den Wellen, die er kurz zuvor schlug mit überzeugenden Vorschlägen zur Umgestaltung des Kulturforums. Berlin braucht Leute wie ihn, die sich einmischen, querdenken, Debatten lostreten. Dass er beim Schloss seinen Coup wiederholen konnte, zeigt außerdem: Ihren Frieden hat die Stadt noch nicht gemacht mit diesem Palast – er bleibt umstritten. Ein bisschen unfair ist das. Demokratisch legitimiert ist das Schloss schließlich, gebilligt vom Parlament. Die Kosten sind bisher im Rahmen. Und die Idee, Berlins neuen Palast den Kulturen der Welt zu widmen, ist groß. Nur das Herz ist nicht dabei. ball

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