Debatte : „Warum Iran die Bombe haben sollte“

Dass es das iranische Atomprogramm zu stoppen gilt, ist weitgehend Konsens in der westlichen Welt. Nun hält der Politologe Kenneth Waltz, eine Koryphäe im Bereich der Internationalen Beziehungen, dagegen.

Die iranische Führung ist nicht verrückt, sagt der Politikwissenschaftler Kenneth Waltz.
Die iranische Führung ist nicht verrückt, sagt der Politikwissenschaftler Kenneth Waltz.Foto: dapd

Der US-Politikwissenschaftler Kenneth Waltz, eine Koryphäe der Internationalen Beziehungen, hat in „Foreign Affairs“ einen viel beachteten Beitrag zur iranischen Atomfrage veröffentlicht. Er schreibt:

„Die meisten Kommentatoren warnen, dass ein nuklear bewaffneter Iran der schlechteste Ausgang der im Moment verfahrenen Situation wäre. In Wahrheit wäre das der beste Ausgang: das Ergebnis, das am wahrscheinlichsten Stabilität im Nahen Osten herstellen würden. (...) Israels nukleares Monopol (...) hat lange für Instabilität gesorgt. In keiner anderen Region der Welt existiert ein so unkontrollierter Staat. Es ist Israels nukleares Arsenal, nicht Irans Wunsch nach einem solchen, das zu der jetzigen Krise beigetragen hat. Macht muss schließlich ausbalanciert werden. (...) Obwohl die gegenteilige Überzeugung weit verbreitet ist, wird iranische Politik nicht von ,verrückten Mullahs’ gemacht, sondern von mental völlig gesunden Ayatollahs, die genauso überleben wollen wie alle anderen Machthaber auch.“

Auf der Webseite des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira antwortete der Sondergesandte des UN-Menschenrechtsrates für Palästina, Richard Falk: „Mit zwei Kernthesen von Kenneth Waltz stimme ich nicht überein. Erstens nimmt er an, dass kein anderes Land der Region Iran über die nukleare Schwelle folgen würde (...). Sicher würden aber weder Saudi Arabien noch die Türkei nicht-atomar gerüstete Länder in einer Region sein wollen, in der sowohl Israel als auch Iran die Bombe haben (...) Zweitens verurteilt Waltz nukleare Waffen weder aus Vernunftgründen noch aus ethischen Gründen (...). Bei ihm wird die Haltung gegen die atomare Aufrüstung zu einer rein rhetorischen Angelegenheit, etwas, dass die Nobelpreis-Jury überzeugt, aber keine Entsprechung in realem Verhalten findet. Für die Bombe zu sein heißt in diesem Kontext, einer sicherheitspolitischen Milchmädchenrechnung aufzusitzen und mit absurder Hybris allen eine fehlerfreie Rationalität zu unterstellen.“

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