Demonstration gegen Berlusconi : Im Land der Herrenwitze

Außen knackig, innen hohl und käuflich sowieso – je jünger, desto besser. Berlusconis Sender und der Premier selbst propagieren dieses triste Frauenbild - seit Jahrzehnten. Höchste Zeit, dagegen auf die Straße zu gehen. Ein Kommentar.

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"Lasst uns die Würde der Frauen verteidigen" - Italiens Frauen protestieren am 13. Februar zu Tausenden gegen das ihrer Meinung nach sexistische Frauenbild in Italien, das unter anderem durch Regierungschef Silvio Berlusconi geprägt werde. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
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14.02.2011 11:09"Lasst uns die Würde der Frauen verteidigen" - Italiens Frauen protestieren am 13. Februar zu Tausenden gegen das ihrer Meinung...

Nicht nur am südlichen Rand des Mittelmeers wird protestiert. Auch am anderen Ende, in Italien, sind die Plätze inzwischen fast ununterbrochen Schauplätze der Bürgerwut. Vor einer Woche forderten tausende Italiener, an ihrer Spitze Umberto Eco und viele der angesehensten Köpfe des Landes, den Rücktritt ihres Premiers. An diesem Sonntag dürften es sogar eine Million Frauen und Männer gewesen sein, die sich gegen Berlusconis Frauenbild in Bewegung gesetzt haben: außen knackig, innen hohl und käuflich sowieso – je jünger, desto besser. Berlusconis Sender propagieren diesen tristen Herrenwitz seit Jahrzehnten, der Premier selbst tut es sogar auf Gipfeltreffen und sein dazu passendes Sexualleben ist inzwischen gerichtsnotorisch. Es ist gut, wenn dagegen hunderttausende Italienerinnen und Italiener auf die Straße gehen.

Nicht nur in der Dritten Welt gilt schließlich, dass die Lage eines Landes an der seiner Frauen abzulesen ist. Und eine Antwort auf die Frage, die kein Italiener mehr hören mag „Wie kommt es nur, dass ihr euch von Berlusconi regieren lasst?“, geben die Demonstrationen auch. Keine Antwort geben sie leider auf das „Wie lange noch?“. Berlusconis Mehrheit wird durch Interessen zusammengehalten; sie wird erst fallen, wenn seine Leute ihre Interessen – das kann auch mal nur ein gutbezahlter Posten sein – nicht mehr bei ihm aufgehoben sehen. Seine schmutzige Weste genügt dafür nicht. Dazu hat Berlusconi die Standards schon viel zu weit gesenkt.

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