Meinung : Den Helfern zur Ehre

Von Rainer Woratschka

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Besser hätte Peer Steinbrück seinen Coup nicht platzieren können. Just am ersten Adventswochenende, an dem die beiden großen Kirchen ihre Weihnachtsaktionen „Adveniat“ und „Brot für die Welt“ starten, kündigt der gewöhnlich klamme Finanzminister an, auch den Helfern helfen zu wollen. Und das sogar weit üppiger, als es Vereine und Wohlfahrtsorganisationen selber erhofft und gefordert hatten. 400 Millionen Euro an Steuervergünstigungen will der Minister nun all denen spendieren, die in Deutschland ehrenamtlich tätig sind oder für mildtätige Zwecke ins Portemonnaie greifen. Aber spendieren ist natürlich das falsche Wort für einen Politiker, der sich bisher vor allem dem Subventionsabbau verschrieben hat. Steinbrück will es investieren – in das, was der christsoziale Vordenker Alois Glück die „Vitalkräfte der Gesellschaft“ nennt. Denn der Minister weiß genau, dass sich die Investition in bürgerschaftliches Engagement bezahlt machen wird. Etwa durch mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt und Stabilität.

Das Besondere an Steinbrücks Ankündigung ist, dass er sich damit ausdrücklich gegen seine Experten stellt. Die hatten ihm das Gegenteil empfohlen: Steuervergünstigungen sollten eingeschränkt, der „Wildwuchs“ eingedämmt werden. Tatsächlich mag es so sein, dass man als Verein die Gemeinnützigkeit recht leicht zugestanden bekommt. Nicht immer profitiert die Allgemeinheit, womöglich hilft das Steuerprivileg auch manchem fragwürdigen Zusammenschluss. Und natürlich muss man in Zeiten von Sozialstaatabbau und öffentlicher Finanznot die Frage stellen, ob die Ehrenamtlichen auch deshalb hofiert werden, um sie als Lückenbüßer missbrauchen zu können.

Doch all das spricht nicht gegen die überfällige Aufwertung des Ehrenamts. Die höhere Steuervergünstigung ist auch eine politische Geste. Wer sich über 20 Stunden im Monat unentgeltlich um Alte, Kranke oder Behinderte kümmert, tut dies nicht, um im Jahr 300 Euro an Steuern erlassen zu bekommen. Aber er tut es künftig vielleicht mit dem guten Gefühl, dass Staat und Gesellschaft sein Engagement auch ein wenig zu würdigen wissen.

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