Meinung : den Lehren des Thukydides“

Christoph von Marschall

Der Titel ist pompös, die Konstellation brisant. Und die Erfolgschancen? Nun ja. „Kriegszar“ nennen sie ihn, den angehenden Oberkoordinator der Einsätze im Irak und in Afghanistan. Man sehnt sich nach einem Supermann, der die Lage wendet. Sein Alltag ist nüchterner: Präsident Bush jeden Morgen Bericht erstatten und den zivilen Wiederaufbau mit dem Militär koordinieren. Da lag offenbar ein Problem. Er darf, obwohl selbst nur Drei-Sterne-General, den Vier-Sterne-Kollegen im Einsatz Befehle erteilen.

Mehrere pensionierte Haudegen hatten Bush einen Korb gegeben, so fiel die Wahl auf den 54-Jährigen – obwohl der mehrfach gegen Bushs Truppenverstärkung argumentiert hat. Es sei „Zeit, dass wir gehen und die Iraker die Aufgabe übernehmen“. Der „schädliche Eindruck“ einer Besatzungsmacht lasse sich „kaum vermeiden, wenn wir mit 150 000 Mann im Land stehen“. Bush beruft einen Kritiker. Taktisch mag es nützen, der Senat muss Lute bestätigen. Dort haben die Demokraten eine knappe Mehrheit. Lutes Skepsis gilt als Trumpf.

Er stammt aus Indiana, hat die Militärakademie West Point besucht und in Harvard studiert. Er kämpfte im Irakkrieg 1991 und führte 2002 eine multinationale Brigade im Kosovo. Sein bevorzugter Lehrmeister ist der Grieche Thukydides – der habe die Abhängigkeit des Militärs von der Zivilgesellschaft genau beschrieben.

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