Meinung : „Den Torwartjob …

Moritz Schuller

… kann man nicht in dem Umfeld, in dem ich mich befinde, ausführen.“

Der Torwart des FC Bayern hat sein Leben neu geordnet: Direkt nach der Niederlage gegen Werder Bremen, zu der er selbst beigetragen hat, trennte er sich von seiner Freundin Verena. Der Ausbruch in ein anderes Leben hat sich als kurzer Ausflug erwiesen: Oliver Kahn, für den das Warten im Strafraum stets „etwas Furchtbares“ ist, kehrt in seinen Kasten zurück. Dort wartet, „Bild“ will es wissen, seine Frau mit den Kindern.

Die Besessenheit, von der bei Oliver Kahn stets die Rede war, hat ihn zum Torwart-Titanen gemacht, der nur Kraft kennt, keine Freude; sie leitete, so sah er es selbst, auch einen Prozess der Selbstzerstörung ein: Kahns in aller Öffentlichkeit vollzogene Wende vom Schweiß zum Schampus sollte aus dem gegenspielerwürgenden Supertorwart einen gelassenen Supertorwart machen. Doch das neue Umfeld bekam ihm nicht: Kahn rauchte zwar mehr, aber er hielt weniger.

Der Perfektionist Kahn, der einst für fünf Millionen Mark von Karlsruhe nach München wechselte, hat fast alles gewonnen, was man als Fußballspieler gewinnen kann. Nun kehrt der 34-Jährige der Diskothek den Rücken – um wieder besser im Tor zu sein. Kahn, der sein Tun gern überhöht, erklärt die Party für beendet. Im Juni beginnt die Europameisterschaft, den meisten ist der besessene Kahn dann ohnehin lieber.

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