Meinung : Der Alten Meister Geister

„Kunst zieht immer wieder um“ vom 16. Juli

Abgesehen von diesem Thema, zu dem auch einiges zu sagen wäre, hat mich aber eine beiläufige Bemerkung empört, die dabei fiel: „Der Plan zum Bau der Gemäldegalerie und für das Kulturforum war ein Produkt des Kalten Krieges; das Brachland im weiten Umfeld des Reichstags sollte belebt werden.“ Diese Aussage zeugt von einer totalen Unkenntnis der Geschichte des Kulturforums.

Hans Scharoun, der zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Hermann Matern ein Gesamtkonzept des Kulturforums entwickelte, war von 1945 bis 1947 Stadtbaudirektor und Leiter der Abteilung Bau- und Wohnungswesen des Magistrats für ganz Berlin gewesen, eingesetzt durch die sowjetische Militärregierung. Er war zuständig für die Planung des Wiederaufbaus der Stadt nach den Zerstörungen des Krieges. Seine utopischen Pläne stießen jedoch auf Unverständnis und er wurde aus seinem Amt gedrängt. Er wurde Professor für Städtebau an der TU Berlin und beteiligte sich auch weiterhin in West-Berlin an städtebaulichen Überlegungen. Auch bei der Gesamtplanung des Kulturforums dachte er an das ganze Berlin, indem er ein „geistiges Band der Kultur“ zwischen der Museumsinsel und dem Kulturforum schaffen wollte, bereits im Hinblick auf eine, damals noch sehr unwahrscheinlich erscheinende, Wiedervereinigung. Aus diesem Grund wurde das Kulturforum so nah an die Mauer gebaut.

Also keine Spur von „Kaltem Krieg“ und Brachlandbelebung! Das war damals sogar sehr umstritten, besonders beim Bau der Staatsbibliothek, weil man befürchtete, dass eine so an den „Rand“ der (West-)Stadt gebaute Bibliothek keine Leser finden würde. Die Wirklichkeit hat diese Befürchtung widerlegt, und jetzt liegt das Kulturforum tatsächlich im Zentrum Berlins. Leider wurde es nicht im Sinne Scharouns vollendet, der bereits 1972 starb, sondern durch spätere Baumaßnahmen verfälscht und unvollendet liegen gelassen.

Dr. Barbara Wilk-Mincu,

Berlin-Wilmersdorf

Die Petitionen bezüglich des Geschehens um die Sammlung Pietzsch und eines möglichen Umzugs der Gemäldegalerie nicht zu unterschreiben, weil man, wie Herr Bredekamp meint, damit gleichzeitig für den Verbleib der Gemäldegalerie am Kulturforum spräche, mag als individuelle Begründung berechtigt sein, kann aber als Entscheidungsgrundlage den Unterzeichnern nicht generell unterstellt werden. Es geht um ein sehr berechtigtes Anliegen von Bürgern, darunter viele Kunstexperten, dagegen zu protestieren und darauf aufmerksam zu machen, dass mehr als die Hälfte der Kunstwerke der beiden Gemäldegalerien – der am Kulturforum gelegenen und auch des Bode-Museums – für Jahre oder möglicherweise Jahrzehnte in den Depots verschwänden.

Die mangelnde Geschicklichkeit seitens der Politik, die Herr Bredekamp in der Erwähnung der Zehn-Millionen-

Euro-Kosten für die innerbauliche Veränderung der Gemäldegalerie in Verbindung mit der Pietzsch-Sammlung beklagt – heutzutage ohnehin im öffentlichen Bereich nur Peanuts –, könnte als einer der unbewusst oder unbedacht geäußerten Störfaktoren zu werten sein, wie sie in letzter Zeit auch in anderen politischen Zusammenhängen Ausdruck fanden und insofern eine produktive Kraft entwickelten, als sie unbeabsichtigt der Aufklärung der Bürger dienten.

Was die stadtplanerische Geschicklichkeit, „… mit visionärem Mut Urbanistik betrieben …“ zu haben, betrifft, mag für die Museumspolitik der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in vieler Hinsicht stimmen, scheint aber gerade im Fall der Gemäldegalerie am Kulturforum nicht zu gelten. Zumindest gilt dies, wenn man für den Umzug auf die Museumsinsel ist oder gewesen wäre. Abgesehen vom Standort der Gemäldegalerie, deren Umzug zum jetzigen Zeitpunkt wohl verfrüht wäre – es sei denn, man fände eine vernünftige Alternative –, über den aber weiterhin zu diskutieren bliebe, würden die in Anschlag gebrachten zehn Millionen oder zehn weitere vielleicht schon helfen, den Platz des Kulturforums, dessen „Schrägheit“ nicht nur ein ästhetisches Problem ist, neu zu gestalten und dadurch attraktiver zu machen. Auch wundert man sich, dass an den U-Bahn-Stationen am benachbarten Potsdamer Platz nur marginale Hinweise, die leicht übersehen werden, angebracht sind, aber keine gelungenen Werbemaßnahmen für die Museen am Kulturforum installiert sind. Paris und München zeigen, wie dies geht.

Dr. Maria Kreutzer, Berlin

„Der Bildersturm“ vom 20. Juli

Wenn der geplante Umzug der Alten Meister sogar von berufenen Institutionen im Ausland kritisch gesehen wird, sollten sich die Verantwortlichen aufgerufen fühlen, mit dem Problem viel sensibler umzugehen. Ich empfinde außerdem, dass wir nicht den Louvre zu kopieren brauchen, denn auf der Museumsinsel konzentriert sich bereits schon genug Bedeutendes.

Die Alten Meister befinden sich jetzt an einem Standort, der für viel Geld und Herzblut des damaligen Westens Berlins extra für diese Meister als „Maßanfertigung“ geschaffen wurde, an dem ebenso diese oft großflächigen Kunstwerke optimal vorausgeplant für den Kunstbetrachter überzeugend hängen. Ob die Flächen hierzu sich im stark mit seitlichen Fenstern versehenen Bode-Museum ebenso eignen, mag noch dahingestellt sein.

Im Übrigen hatten wir im Südwesten Berlins durch die Verlagerung aus Dahlem schon eine bedauerliche kulturelle Ausdünnung in dieser Region erlebt. Diese muss nun nicht noch einmal stattfinden, wobei die sehr geschätzte Sammlung Pietzsch dann sicher kein gleichwertiger Ersatz für die Alten Meister darstellt.

Vielleicht ließe es sich prüfen, ob die Kunstschätze der Neuen Nationalgalerie zum Beispiel während der Umbauphase in den Martin-Gropius-Bau und/oder in die Berlinische Galerie überwechseln könnten, wo fantastische Räume vorhanden sind, die sonst für Sonderausstellungen genutzt werden. Beides sind meines Erachtens gute Plätze zur Ausstellung der Klassischen Moderne und führt zu einer Bereicherung dieser Häuser.

Nils Boettcher, Berlin-Nikolassee

„Teilen Sie unsere Vision!“ – Berliner Museumsstreit: Sponsoren gesucht vom 22. Juli

Für Berlin wäre es ein Kulturstreich

erster Güte, die Alten Meister von ihrem für sie extra erbauten Standort für lange Zeit ins Depot zu verbannen. Jeder weiß, dass im Bode-Museum kein Platz für sie da ist. Die Alten Meister sollten so lange in der Gemäldegalerie bleiben, bis ein würdiger Standort zur Verfügung steht, wo die Alten Meister in ihrem jetzigen Bestand gezeigt werden können.

Dass die Direktoren großer internationaler Museen für eine Zusammenfügung sind, ist typisch für Museumsdirektoren, aber keiner dieser Direktoren würde die Alten Meister für lange Zeit ins Depot verbannen, um die Lobbyisten der Moderne zu befriedigen. Für die Moderne gibt es in Berlin genügend Platz. Man muss es nur wollen.

Hansgeorg Bräutigam,

Berlin-Wilmersdorf

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