Meinung : Der Anklage-Banker

Josef Ackermann präsentiert sich in Siegerpose – und ohne Einsicht

Dieter Fockenbrock

Düsseldorf statt Davos. Der unfreiwillige Ortswechsel dürfte Josef Ackermann am meisten schmerzen. Statt zum Auftakt des alljährlichen Weltwirtschaftsforums in die verschneiten Schweizer Alpen zu reisen, muss der Chef der größten deutschen Bank seine Zeit im verregneten Rheinland absitzen. Immerhin: Am Donnerstag war Ackermanns erster großer Auftritt. Der wegen Untreue angeklagte Bankmanager durfte eine Erklärung abgeben – und wies erwartungsgemäß die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft mit allem Nachdruck zurück.

Zugleich legte der angeklagte Banker aber auch seine Argumentationschwäche offen: „Hätten wir Herrn Esser sagen sollen, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen?“, verteidigte er seine Zustimmung zur Millionen-Prämie. Den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser völlig leer ausgehen zu lassen, diese Forderung hat jedoch keiner gestellt. Niemand bestreitet, dass Esser viel für das Unternehmen getan hat. Das Problem sind die enorme Höhe der Zahlungen, die Umstände der Beschlüsse, und möglicherweise nachträgliche Manipulationen an Dokumenten. Darauf kommt es an. Ackermann gab sich am zweiten Verhandlungstag ziviler. Zum Prozessauftakt hatte man noch den Eindruck, der Spitzenmann der Deutschen Bank und seine Mitangeklagten Esser oder Klaus Zwickel wollten den Prozess in Düsseldorf zur Show machen. Die Bilder aus dem Gerichtssaal signalisierten sogar: Wir, die Gestalter und Macher der deutschen Wirtschaft, nehmen die ganze Veranstaltung nicht ernst. Ackermann begrüßte Esser wie einen Kumpel mit dem Victory-Zeichen – dieses Bild verdrängte selbst in Ackermanns Heimat, der Schweiz, die traditionelle Titelstory über den Prominentenauflauf in Davos. „Joe“ Ackermann, wie er in der Frankfurter Bankerszene genannt wird, in Siegerpose vor einem deutschen Gericht. Das macht Schlagzeilen.

Dieses Bild entspricht aber nicht dem Ernst der Lage. Die wird von den Angeklagten im Mannesmann-Prozess ohnehin ganz anders beurteilt als vom Staatsanwalt. Sonst würden sich Ackermann und seine Freunde im Gerichtssaal 111 nicht so benehmen wie jugendliche Kumpel auf einem Schulhof. Schließlich geht es hier um die mögliche Veruntreuung von 57 Millionen Euro. Und schließlich sitzen Ackermann und seine Freunde auf einer Anklage-Bank. Selbst wenn sie am Ende nicht wegen Untreue in besonders schweren Fällen verurteilt werden, selbst wenn sie einen Freispruch erster Klasse bekämen. Die Angeklagten kämpfen um ihr Image. Und sie haben zum Beginn des Prozesses ihr Bestes getan, sich selbst zu beschädigen. Schmerzlich ist das weniger für die „Ehemaligen“, Esser und Zwickel. Das Problem muss vor allem Ackermann quälen. Denn er steht als einziger noch aktiv im Berufsleben, an der Spitze der führenden deutschen Bank. Ackermann hat wirklich etwas zu verlieren – nur scheint es ihm an Einsicht zu fehlen.

Aber vielleicht liegen auch Staatsanwälte und Öffentlichkeit völlig falsch. weil sie nichts vom wirklichen Leben verstehen. Weil sie nicht wissen, wie es so zugeht in der dramatischen Schlussphase einer Übernahmeschlacht. Wenn Ausnahmezustand und Belagerungsatmosphäre herrschen, wenn Entscheidungen in höchster Eile und auf höchster Ebene getroffen werden müssen. Das müsse vieles entschuldigen, meinen die Angeklagten. Sie irren gewaltig.

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