Meinung : Der Arzt als Mensch

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Dürfen Ärzte streiken? Nein. Eigentlich verbietet es das ärztliche Ethos, dass die Mediziner ihre Patienten allein lassen. Ebenso ist klar, dass sich die ärztliche Arbeitszeit nicht nach dem Tarifvertrag bemisst, sondern danach, ob die Patienten versorgt sind. Und doch sind die Proteste berechtigt, denn die Bedingungen für die Krankenhausärzte haben sich nicht nur finanziell immer weiter verschlechtert. Überlange Arbeitszeiten, ausufernde Bürokratie und trübe Aussichten prägen das Bild. Vorbei die Zeiten, da ein Assistenzarzt nach Jahren des Frondienstes in der Klinik eine Chefarztkarriere oder eine gut dotierte Arztpraxis erwarten konnte. Besonders schwierig ist mittlerweile die Situation an den Unikliniken, an denen die Ärzte heilen und forschen müssen. Noch einmal vertrackter ist die Lage im hoch verschuldeten Berlin, wo der Senat der Charité ein drakonisches Sparprogramm aufgebürdet hat. Eine einfache Lösung gibt es nicht. Mehr Geld dürfte nur schwer aufzutreiben sein. Aber mindestens ebenso wichtig sind andere Faktoren für die Klinikärzte: humanere Arbeitsbedingungen, höhere Wertschätzung ihrer Arbeit, flachere Hierarchien, Entwicklungs und Fortbildungsmöglichkeiten. Der Arzt im Krankenhaus muss als Mensch anerkannt werden – nicht nur als Kostenfaktor. wez

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