Meinung : Der Auspendler

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Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß, dass Jürgen Klinsmann bei der nächsten Weltmeisterschaft ein Wiedersehen mit dem deutschen Team feiert. Als Trainer des Gegners. Der frühere Fußball-Bundestrainer hat bestätigt, mit dem amerikanischen Verband in Verhandlungen zu stehen. Er wolle mal sehen, „wohin das führt“. Wer Klinsmanns Entscheidungsfindungsprozess kennt, weiß es eigentlich schon. Darf der das? Darf der Verfasser des deutschen Sommermärchens seine Geschichten künftig unter fremder Flagge schreiben? Wieso nicht? Es ist unangebracht, Klinsmanns Verhandeln womöglich als Affront gegen ein ganzes Land zu werten, nur weil er keine Lust mehr hat, die erste Mannschaft dieses Landes zu betreuen. Jürgen Klinsmann ist nicht deutsches Nationaleigentum, sondern Mensch, Vater und auch Arbeitnehmer. Und offensichtlich ist der 42-Jährige auf seinem Weg durchs Leben jetzt an einem Punkt angelangt, an dem er der Pendelei überdrüssig ist und sich auf die Suche nach einem Arbeitsplatz in der Nähe des Wohnortes seiner Familie begibt – und der liegt nun mal in Huntington Beach, USA. Wer schon einmal die Qualen des Pendelns erlitten hat, wird Klinsmann viel Glück bei dieser Suche wünschen – und sich auf ein Wiedersehen in vier Jahren freuen. chh

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