Der DFB im Wettskandal : Aufregender Präsident

Die Hoffnung auf saubere Spiele ist erstmal dahin. Der DFB sollte sich besser demütig zeigen als so arrogant wie der Präsident des größten Einzelsportverbandes der Welt. Theo Zwanziger versteht offenbar das ganze Problem nicht.

Lorenz Maroldt

Verbands-Chef Theo Zwanziger vom DFB, leidet unter seltsamen Formschwankungen. Nach seiner beeindruckenden Rede bei der Trauerfeier für Robert Enke hatte noch der letzte Kritiker betreten zugestanden, dass Zwanziger der wohl beste, weil am wenigsten peinliche Präsident des Verbandes ist. Davor irritierten zuweilen devote Gesten Zwanzigers gegenüber seinem angefeindeten Freund Dietmar Hopp, Multimillionenmäzen von Hoffenheim und Karrierepate des Präsidentensohns, den ansonsten erfrischenden Eindruck. Zwanziger stand für einen weltoffenen, liberalen Fußball. Seine Worte gegen Ausländerfeindlichkeit und Homophobie in den Stadien wirkten überzeugt und überzeugend, nicht gezwungen.

Doch was Zwanziger jetzt zu den neuen Erkenntnissen in Sachen Wettskandal einfällt, klingt so, als hätte ihm jemand ein Manuskript seines Vorgängers Mayer-Vorfelder untergejubelt. Erst betet er die Empörten-Litanei herunter: Jetzt müssten klare Konsequenzen gezogen werden. Ach ja? Etwa die gleichen wie beim letzten Mal? Aber die waren ja offensichtlich nicht ganz so klar. Alsdann macht Zwanziger auf dicke Hose und erhebt sich über den Rechtsstaat: „Sobald wir Beweise haben, wird das DFB-Sportgericht schon vor den rechtmäßigen Urteilen Maßnahmen treffen.“ Wie Autokraten das eben so machen. Ein echter Lattenknaller aber ist sein Schlusswort: „Ich verstehe die ganze Aufregung nicht, wenn von 1,4 Millionen Spielen im Jahr 32 untersucht werden.“

Der DFB-Präsident versteht nicht nur die Aufregung nicht, er versteht das ganze Problem nicht. Alle Spiele sind infiziert mit dem Virus des Verdachts. Der als Impfstoff gedachte Betradar hat so grandios versagt wie Mario Gomez beim EM-Spiel gegen Österreich. Der DFB hat nicht einmal von den Ermittlungen etwas mitbekommen – und beklagt sich darüber auch noch. Die Hoffnung auf saubere Spiele, die nach dem vorherigen Skandal auch wegen der warmen Worte des Präsidenten berechtigt schien, ist erst mal dahin. Nicht nur das gleiche Schema, auch noch dieselben Verdächtigen – der DFB sollte sich besser demütig zeigen als so arrogant wie Zwanziger gegenüber den Fans.

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