Meinung : Der Drache will mitspielen

China wertet den Yuan auf – damit beginnt für die Weltwirtschaft eine neue Epoche

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Es ist nur ein kleiner Schritt für China, doch es könnte ein großer für die Weltwirtschaft werden: China hat gestern seine strenge Währungsbindung an den Dollar aufgegeben – und damit die Chancen für eine geordnete Stabilisierung des Weltwährungssystems verbessert.

Die chinesische Zentralbank gab bekannt, dass der Yuan gegenüber dem Dollar um zwei Prozent aufgewertet wird. Und statt wie bisher nur an den Dollarkurs gebunden zu sein, soll der Yuan künftig gegen einen ganzen Korb von Währungen in einer engen Bandbreite schwanken dürfen. Das hört sich kompliziert an. Und das ist es auch. Aber deutlich ist, dass China offenbar bereit ist, schrittweise Verantwortung in der Weltwirtschaft zu übernehmen. Das ist gut.

Chinas Währung ist bisher deutlich unterbewertet. Das treibt den Export Chinas und bremst den Einkauf ausländischer Waren in China. Wirtschaftspolitiker vor allem aus den USA hatten deshalb seit Monaten geklagt, China leiste sich seinen Wirtschaftsboom auf dem Rücken der amerikanischen Volkswirtschaft.

China hatte im Jahr 1997 – damals litt ganz Asien schwer unter der Asienkrise – seine Währung fest an den aktuellen Dollarkurs gebunden und damit den gesamten Wirtschaftsraum stabilisiert. Indem das Land für damalige Verhältnisse einen hohen Wechselkurs festlegte, beendete es den Abwertungswettlauf der asiatischen Staaten. Das hieß: China nahm einen vorübergehenden Wettbewerbsnachteil in Kauf, um den Verfall des Wirtschaftsraums zu bremsen.

Doch inzwischen haben sich die Verhältnisse umgekehrt. Chinas Wirtschaft wächst nahezu ungebremst, die Währung ist mittlerweile gegenüber nahezu allen Handelspartnern unterbewertet. Das wirkt wie eine staatliche Exportförderung. Dazu kommt: Um den Wechselkurs aufrechterhalten zu können, kauften die Chinesen in den vergangenen Jahren immer mehr Dollars. Damit ermöglichten sie nicht nur die wachsenden Staatsdefizite der USA, sie halten mittlerweile rund ein Viertel der Weltdevisenreserven. Mit den Dollars gehen sie zudem noch auf Einkaufstour: Zuletzt bewarben sie sich um den amerikanischen Ölkonzern Unocal.

Nun werden US-Waren in China etwas billiger, die US-Schulden abgewertet. Das mildert die Last des Leistungsbilanzdefizits gegenüber China. Und: Auch andere asiatische Staaten können nun gegenüber dem Dollar aufwerten, weil sich ihre relative Handelsposition zu China dadurch nicht mehr ändert.

Da China sich selbst über zu starkes Wachstum im eigenen Land sorgt, ist der Preis der Aufwertung für die chinesische Konjunktur im Augenblick nicht besonders hoch. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt: Pekings Ölrechnung sinkt, damit lässt der Inflationsdruck im eigenen Land nach.

Nur Gewinner also? Ein paar Risiken bleiben: Die wichtigste Gefahr ist, dass nun eine Spekulationswelle gegen den Dollar und für asiatische Währungen einsetzen könnte. Die Frage ist, ob es China gelingt, eine tatsächlich kontrollierte Aufwertung zu inszenieren. Ob es den USA gelingt, trotz des nachlassenden Drucks ihr Leistungsbilanzdefizit mit China in Ordnung zu bringen, ist ebenfalls noch nicht ausgemacht. Der erste Abwertungschritt allein wird die Probleme jedenfalls nicht lösen.

Dennoch: Die Zentralbank hat selbstbewusst den Anspruch Chinas unterstrichen, den asiatischen Wirtschafts- und Währungsraum wirtschaftspolitisch zu dominieren. Das sind gute Nachrichten, auch für Europa. Denn nunmehr scheint es so zu sein, dass außer Japan auch China auf dem Weg ist, einen Teil der Kosten für eine stabile Weltwirtschaft zu übernehmen. Und das heißt, dass die absehbare nächste Abwertungsrunde für den Dollar nicht mehr allein auf die Rechnung Europas gehen wird.

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