Meinung : Der Eigentor

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Der französische Staatspräsident hat ein nicht eben rühmliches Talent dafür entwickelt, Krisen zu überleben, an deren Entstehen er selbst beteiligt war. Der Streit über den CPE, das Gesetz zu den Einstellungsbedingungen junger Leute, ist ein eklatantes Beispiel dafür. Jacques Chirac hatte sich immer wieder für die harte Fassung des Gesetzes ausgesprochen – jene Fassung, die der ihm politisch nahe stehende Premierminister ausgearbeitet und kompromisslos verfochten hatte. Unter dem Druck der Straße schien der Staatschef Haltung zu bewahren, als er den Vertrag in Kraft setzte. Aber letztlich war sein Fernsehauftritt nichts als eine grandiose Camouflage. In Wahrheit nämlich blamierte er seinen Premierminister, weil er anordnete, dem Gesetz all jene Schärfen zu nehmen, die die Proteste erst ausgelöst hatten. De Villepin ist als potenzieller Präsidentschaftskandidat 2007 damit verschlissen, Nicolas Sarkozy aber, den Chirac eigentlich nicht schätzt, kommt wie Phönix aus der Asche und bietet sich allen Parteien als Vermittler an. So gehen politische Schlachten aus, wenn Populisten von eigenen Gnaden wie Chirac auf tatsächliche wie Sarkozy treffen. apz

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