Meinung : Der Ernst des Spiels

Von Robert Ide

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Jetzt hat er alles zugegeben. Jeden Tag nimmt die Affäre um den Schiedsrichter Robert Hoyzer eine neue Wendung, diesmal könnte es die Wende sein. Der Unparteiische hat gestanden, dass er mehrere Fußballspiele manipuliert hat und davon finanziell profitiert hat. Was er mit seinem Verhalten angerichtet hat, wird schon morgen in den Stadien der Bundesliga zu besichtigen sein: Dann wird jeder Schiedsrichter für eine strittige Entscheidung nicht wie sonst wütend ausgepfiffen werden. Er wird einfach nicht mehr ernst genommen. Die Fans werden mit Wettscheinen wedeln, wenn ein Elfmeter gegen ihr Team gepfiffen wird. Und Spieler auf dem Platz werden die Autorität mit der Pfeife und den Gelben und Roten Karten nicht mehr akzeptieren.

Was ist ein Fußballspiel noch wert, wenn der Glaube an seine Zufälligkeit erschüttert ist? Der Glaube daran, dass jede der beiden Mannschaften gewinnen kann und es eine Instanz gibt, die darauf achtet, dass keine von beiden schummelt. Natürlich gibt es immer die Verführung der Manipulation, das ist im Sport nicht anders als in anderen Bereichen der Gesellschaft. Spieler lassen sich im Strafraum fallen, obwohl sie nicht gefoult worden sind, sie erzielen Tore mit der Hand; sie tätigen manchmal heimliche Absprachen wie beim BundesligaSkandal 1971. All das aber ist nicht so schlimm wie der Fall Hoyzer, so wie er sich jetzt darstellt. Wenn der Unparteiische nicht mehr glaubwürdig ist, ist das Spiel entkernt.

Egal, aus welchen Motiven Hoyzer manipuliert hat; egal, ob er nur ein kleines Rädchen in einem Betrugssystem war, wie sein Anwalt behauptet, oder ein Einzelfall, wie der Deutsche Fußball- Bund hofft; egal, welche Personen möglicherweise an Sportwetten auf von Hoyzer geleitete Spiele verdient haben: Der populärste Sport in Deutschland hat 500 Tage vor der Weltmeisterschaft einen schwer zu reparierenden Schaden erlitten. Der DFB, der sich durch das Geständnis in seiner Aufklärungsstrategie zunächst bestätigt sehen kann, hat diese Gefahr erkannt. In einem dramatischen Appell hat Verbandssprecher Harald Stenger die Fans aufgerufen, die Schiedsrichter nicht unter Generalverdacht zu stellen. Es ist zweifelhaft, ob die Fans sich am Wochenende daran halten werden. Sie müssen ihren Glauben zurückgewinnen.

Seiten 1 und 28

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