Meinung : Der erste letzte Tag

RAU TRITT NICHT MEHR AN

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Ein Bürgerpräsident wollte er sein. So wie sein lebenslanges Vorbild Gustav Heinemann. Verhalten war sein Start. Da näherte er sich geradezu scheu dem Amt, das doch wie für ihn geschaffen zu sein schien. Jetzt ist er wieder eins mit sich: Johannes Rau. Menschenfischer war er immer, tröstender Bruder sowieso, und wenn er seinen Rat in Anekdoten hüllt, versöhnt er. Der Abschied vom Amt hat begonnen – aber für Abgesänge ist es zu früh. Zehn Monate bleiben, in denen Rau noch mit frischer Kraft des Wortes prägend wirken kann. Seine Reden sind gedanklich tiefer, als es seine Kritiker wahrnehmen wollen. Nur zwei Beispiele: Wer Wegweisung sucht zu Globalisierung oder Gentechnik, der lese Rau nach. Er ist dazu ein guter Botschafter der Bürgergesellschaft, einer mit Seele, mit Humor – und mit einer Botschaft. Immer Patriot, nie Nationalist, so hatte Rau ganz zu Beginn der Amtszeit seine politische Position als Erster Mann des Staates beschrieben. So hat er gehandelt. Ein dauerhafter Lohn ist, dass Israel ihn damit ehrte, als erster Bundespräsident in der Knesset sprechen zu dürfen. Johannes Rau hat sich um Deutschland verdient gemacht. Wer kennt größeres Lob?cas

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