Meinung : „Der Facharzt um die Ecke …

Cordula Eubel

… wird bald der Vergangenheit angehören.“

Homöopathische Dosen sind sein Ding nicht. Wenn Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, Kritik an der Gesundheitspolitik der Bundesregierung übt, dann auch richtig. Jetzt ist gerade wieder der Zeitpunkt für die Generalabrechnung gekommen: An diesem Dienstag beginnt in Bremen der 107. Deutsche Ärztetag – für Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ein Spießrutenlauf. Dass der Tonfall zwischen Medizinern und Politik vor dem Ärztetag schärfer wird, ist nicht verwunderlich. Die rund 390 000 Mediziner erwarten von ihren Funktionären schließlich klare Worte.

Der 63-jährige Ärztepräsident malt ein eher düsteres Bild der künftigen medizinischen Versorgung: Die Patienten müssen länger in den Praxen warten, es wird High-Tech-Medizin geben, aber auch Regionen, „wo man besser nicht hingeht, weil da nichts ist“ – und die Facharztpraxis um die Ecke stirbt mittelfristig aus. Hoppe fürchtet sich vor einem Gesundheitssystem, dass sich immer stärker nach der Ökonomie richtet.

Hoppe hängt an dem klassischen Bild des Arztes, der sich so intensiv wie möglich um seinen Patienten sorgt. Den stressigen Arbeitsalltag hat er kennen gelernt: Nach dem Medizinstudium in Köln arbeitete Hoppe als Allgemeinarzt und Pathologe in verschiedenen Krankenhäusern. Schon frühzeitig engagierte er sich in der Standespolitik: in den 70er Jahren zunächst im Klinikärzteverband Marburger Bund, kurz später in der Bundesärztekammer. Im Juni 1999 wurde er schließlich deren Präsident.

Kleine Zankereien zwischen dem obersten Ärzte-Lobbyisten und der Gesundheitsministerin gehören zum Alltagsgeschäft – Kritik und Annäherung wechseln sich ständig ab. So zog Schmidt kürzlich ein Schwarzbuch zurück, in dem das Fehlverhalten von einzelnen Medizinern bei der Umsetzung der Gesundheitsreform dokumentiert war. Die Ärzte hatten sich „kriminalisiert“ gefühlt. Hoppe wiederum entschuldigte sich für einen „Versprecher“, nachdem Schmidt empört reagierte: Der Mediziner hatte die Behandlungsprogramme für chronisch Kranke als „Reichseinheitsmedizin“ tituliert.

Wenn es nicht um die enge Standespolitik geht, sondern um die Ethik in der Medizin, sind Ärztepräsident Hoppe und die Gesundheitsministerin sich schnell wieder nahe: Hoppe setzte sich in seiner Amtszeit für ein klares Nein zur aktiven Sterbehilfe ein.

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