Der Fall Clement : Nur Ich, kein Wir

Es mangelt Wolfgang an der Fähigkeit Selbstkritik zu üben. Und es fehlt der SPD an Selbstbewusstsein. Am Ende ist Clement selbst für seinen Ausschluss verantwortlich.

Stephan-Andreas Casdorff

Dieser Mann leidet erkennbar nicht unter einem Mangel an Selbstbewusstsein. Aber an Selbsteinschätzung. Wolfgang Clement sieht es als seine „Pflicht“ an, so weiterzumachen bis bisher, der SPD heimzuleuchten, wenn sie das Falsche sagt und tut. Und was falsch ist, nicht wahr, das weiß keiner besser als er. Will sagen: Jeder disqualifiziert sich, so gut er kann.

Darin liegt auch das Problem. Wenn er nur einen Moment innehalten wollte, nachdenken vielleicht, ob das, was er sagt und tut, vielleicht doch auch kritikwürdig ist, dann könnte ihm bewusst werden, warum sich so viele über ihn aufregen. Clement aber hält nicht inne, im Gegenteil. Immer weiter feste druff. Dass es zur intellektuellen Redlichkeit gehört, sich auch mit den Argumenten der Gegner auseinanderzusetzen, daran denkt er nicht. Ihn darum einen dickschädeligen Westfalen zu nennen, ist eine Beleidigung – für die Westfalen.

Er macht es der SPD immer schwieriger, ihn zu halten. Denn es wird gehalten, wer gehalten werden will. Natürlich darf er seine Meinung sagen, so, dass die Energiepolitik von Andrea Ypsilanti aus seiner Sicht unsinnig ist. Aber zu sagen: „Ich würde Sie nicht wählen“, das ist – unmöglich. Nun argumentieren Genossen mit seiner „Lebensleistung“, derenthalben er nicht ausgeschlossen werden dürfe. Richtiger wäre zu sagen, dass er eben deswegen, was er aufgrund seiner Parteimitgliedschaft werden konnte, solches Verhalten für sich ausschließen müsste. Tut er aber nicht. Er macht weiter, immer feste druff. Was bedeutet, dass die Distanz der SPD zu Clement wächst, zwangsläufig. Und er zeigt keine Distanz zu sich, zeigt sich unverständig. Nur Ich, kein Wir. Clement provoziert – bis er gehen muss. So oder so.

Kurt Beck hätte das Thema so klein halten können, wie es die Person Clement verdient. Mit Sätzen wie: Wir wissen doch, welch schwieriger Genosse Wolfgang ist. Nur ist er einer von 530 000. Und die Partei hat ganz andere als ihn erlebt, in ihren fast anderthalb Jahrhunderten. Aber hier zeigt sich, wo es an Selbstbewusstsein fehlt: in der SPD.

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