Meinung : Der Fall Mazedonien: Früh und friedlich statt spät mit Gewalt

Wie oft muss einer zu spät kommen, bis er endlich mal etwas früher aufbricht? Auf dem Balkan hat der Westen in den letzten zehn Jahren immer erst interveniert, als es dort bereits lichterloh brannte. Jetzt hat er die Chance, rechtzeitig einzugreifen: in Mazedonien, der einzigen Teilrepublik, die bisher vom Krieg verschont geblieben ist.

Die Amerikaner hatten 1993 einige hundert Soldaten dorthin verlegt, als sie aus Berlin abzogen. Das schreckte Serbiens Diktator Milosevic von einem Angriff ab. Heute steht Mazedonien dennoch an der Schwelle zum Bürgerkrieg. Und die Gefahr kommt jetzt aus dem Kosovo: Kämpfer der albanischen Befreiungsarmee UCK dringen über die schwer kontrollierbare, bergige Grenze nach Mazedonien ein und säen Unfrieden zwischen der slawischen Mehrheit und der albanischen Minderheit, um deren Gebiete mit Kosovo zu vereinen.

Vorbeugen ist allemal besser, als militärisch Frieden zu erzwingen. Und billiger sowieso. Das haben alle Politiker nach dem Kosovo-Einsatz immer wieder bekräftigt, voran die Grünen. Doch was diskutiert die rot-grüne Bundesregierung? Nicht die Mittel, mit denen der Krieg in Mazedonien verhindert werden kann, sondern die Verlängerung des Mandats für deutsche Soldaten im Kosovo. Vor allem die Grünen haben die Sorge, die Kfor-Truppe für Kosovo könne in Kampfhandlungen verstrickt werden. Deshalb soll das Mandat eng begrenzt bleiben: Die Bundeswehr darf dann zwar die Sicherheitszone an den Kosovo-Grenzen zu Serbien und Mazedonien betreten - die Waffe aber höchstens zur Selbstverteidigung benutzen. Wenn die deutschen Soldaten dort auf UCK-Kämpfer mit Waffen für Mazedonien treffen, sollen sie die etwa laufen lassen, weil die Kfor erst schießen darf, wenn sie selbst angegriffen wird?

Diese Formeln beim Kfor-Mandat sind ein fauler Kompromiss. Der Balkan ist ein Krisenherd, und Soldaten, die dort hingeschickt werden, haben Anspruch auf Wahrheit und Klarheit; die deutsche Öffentlichkeit übrigens auch. Zur Klarheit gehört: Das Mandat muss erweitert werden auf Mazedonien, nicht eingeschränkt. Rot-Grün aber schaut auf die nächste Bundestagswahl und fürchtet die innenpolitische Debatte: 2100 Deutsche sind schon jetzt in Bosnien, 5000 im Kosovo, und nun auch noch Mazedonien? Dabei wäre das noch der grünste der denkbaren Auslandseinsätze - es wäre einer zur Prävention und nicht erst zum Trümmerwegräumen.

Der Westen kann diesen Krieg noch verhindern: wenn er rasch und energisch handelt. Erstens muss die Regierung in Skopje dazu gebracht werden, die große albanische Minderheit, ein Drittel der Bevölkerung, als zweite Staatsnation anzuerkennen. Nur durch ehrliche Teilhabe lassen sich die Albaner für den gemeinsamen Staat gewinnen; nur dann werden sie nationalistischen Verheißungen eines Großalbanien nicht folgen. Zweitens muss man der UCK zeigen, dass ihre Pläne zur Grenzverschiebung aussichtslos sind. Sie nimmt die kleine mazedonische Armee nicht ernst, eine klarere Haltung des Westens würde sie beeindrucken.

Doch haben Nato und EU überhaupt die Wahl? Sie sind längst in Mazedonien. Der Nachschub für den Kosovo-Einsatz läuft über Mazedonien. Es gibt ein Stationierungsabkommen, ein Deutscher ist dort Botschafter der Nato. Europa muss Mazedonien den Weg weisen. Wie in einem Protektorat? Der Westen muss es ja nicht so nennen. Doch es ist die letzte Chance, bevor es zum Krieg kommt. Und der würde Mazedonien ganz sicher zu einem Protektorat machen.

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