Der Fall Quelle : Ohne Netz

Warum wird Opel gerettet, nicht aber Quelle? Der Versandhändler hat einiges zu spät verstanden.

David Lerch

Warum rettet ihr Opel, nicht aber Quelle? Manch betroffener Mitarbeiter in Berlin, Leipzig oder Fürth wird diesen Vorwurf an die Regierung richten. Und manch einer von uns mag zustimmen. Die gute alte Quelle, die gesamte bunte Warenwelt in einem Katalog, weckt bei vielen schöne Erinnerungen – und zugleich Mitleid mit den Angestellten und deren Familien. Doch in Wahrheit zeigt gerade der Fall Quelle, wie begrenzt die Möglichkeiten der staatlichen Stütze sind. Mit einem Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro sprang der Steuerzahler im Sommer ein, um den Winterkatalog zu drucken. Doch damit wurde kein Problem aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Denn Quelle selbst hat viel zu lange am traditionellen Versandhandel festgehalten, statt auf die neue Herausforderung durch das Internet zu reagieren. Inzwischen verdient die Branche hierzulande mehr als die Hälfte der knapp 30 Milliarden Euro Umsatz im Netz, Tendenz steigend. Das hat Quelle viel später als die Konkurrenz verstanden. Zu spät wurden die herkömmlichen Vertriebswege um virtuelle ergänzt. Zu spät erschienen aktuellere und dazu auch speziellere Kataloge. Diese Fehler kann der Staat nicht ausgleichen – er sollte es auch nicht.

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