Meinung : Der Gegenschlag: Angst essen Seele nicht auf

Robert von Rimscha

Am Montag hatten die New Yorker etwas zu bestaunen. Entlang der Fifth Avenue zog die Parade aus Anlass des Columbus Day. Ebenfalls am Montag nahm Präsident Bush dem bisherigen Gouverneur von Pennsylvania, Tom Ridge, den Amtseid ab. Ridge bekleidet einen neu geschaffenen Posten im Ministerrang. Als "Director of Homeland Security", als Leiter eines Büros im Weißen Haus "für die Sicherheit der Heimat", soll er die Terrorismusabwehr zentral leiten. New York und Washington: eine Feiertags-Parade und ein neuer Sicherheitsmanager, und beides exakt vier Wochen nach dem Anschlag auf Manhattan und das Pentagon.

Zum Thema Online Spezial: Kampf gegen Terror
7.10., 18.45 Uhr: Wie der Gegenschlag begann
Hintergrund: US-Streitkräfte und Verbündete
Schwerpunkt: US-Gegenschlag, Nato und Bündnisfall
Schwerpunkt: Osama Bin Laden
Chronologie: Terroranschläge in den USA und die Folgen
Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags
Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Die beiden Ereignisse des Montags spiegeln die gespaltene Seele der Nation. Seit Bush seinen Amerikanern in Chicago zurief, sie sollten wieder Spaß haben, sie sollten ihre Familien nehmen und nach Disneyland fahren, seitdem hat das Land den Weg zurück in die Normalität angetreten. Deshalb die Parade in New York. Deshalb auch versicherte Bürgermeister Giuliani, die Brücken und Tunnel nach Manhattan und die öffentlichen Plätze der Metropole würden nur beim Vorliegen konkreter Hinweise auf drohende Terroranschläge geschlossen. Die Normalität soll einen Platz haben. Die andere Hälfte der amerikanischen Befindlichkeit, die Furcht, drückt sich in Ridges neuem Amt aus. Oder in der Tatsache, dass die CIA seit dem 11. September die Zahl ihrer Mitarbeiter in der Terrorismus-Abwehr verdoppelt hat.

So viel ist klar: Amerika fühlt sich weiter verwundbar. Doch die Furcht schmälert den Rückhalt für Bush keineswegs. Über 90 Prozent der US-Bürger rechnen mit Racheakten der Terroristen, und über 90 Prozent halten die US-Militärschläge für dringend geboten. Amerika nimmt seine eigene Angst in Kauf. Dies macht die Stärke der zuerst schockierten, dann trauernden und nun entschlossenen Nation aus. Dass die Angst nicht lähmt, ist auch Bushs größtes politisches Kapital. Das Land folgt seinem Kurs. Es unterstützt die militärische Härte, die Hilfe für die Notleidenden, die diplomatischen Bemühungen um eine Allianz gegen den Terror und lehnt einen Krieg gegen den Islam ab.

In der US-Politik freilich hat die Union gegen den Terror nicht lange gehalten. Die Parteien verlangen längst, je nach Ausrichtung, mehr oder weniger Hilfe für die neuen Arbeitslosen, die Opfer der Rezession geworden sind, mehr oder weniger Geld für die Wirtschaft, vor allem die Fluglinien, mehr oder weniger zusätzliche Mittel für das Militär. Gleich ist stets die Begründung: es geht um den Kampf gegen den Terror.

Das Ereignis, das ein Beben ausgelöst hat, war der 11. September. Der 7. Oktober war eine Konsequenz: angekündigt, erwartet, vollzogen. Und er war nur der Anfang.

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