Meinung : Der große Inspirator

VIDEOBOTSCHAFTEN VON AL QAIDA

NAME

Al Qaida lebt. Das sollen uns die Videos suggerieren, die der Fernsehsender Al Dschasira am Sonntag und Dienstag ausstrahlte. Auf dem ersten Tape soll Osama bin Laden zu hören gewesen sein, der die Amerikaner einlud, zum Islam überzutreten. Das zweite war eine Nachricht seines Mitstreiters Aiman al Sawahiri an Deutschland und Frankreich: Die „kämpfende Jugend“ habe zwei Botschaften an diese Länder versandt, den Kurs der Amerikaner nicht zu unterstützen. Gemeint ist wohl der Anschlag auf die Synagoge in Djerba, bei dem 14 Deutsche starben, und die Explosion auf dem französischen Tanker „Limburg“. Die Wortmeldungen sind Teil einer Verunsicherungsstrategie. Weil Al Qaida bisher die Macht zu einem zweiten großen Anschlag auf Amerika fehlte, will man wenigstens verbal Präsenz zeigen. Sicher ist aber nicht einmal, ob bin Laden noch lebt. Im Dezember war er noch mit verletztem linken Arm auf Video zu sehen. Jetzt erscheint er gar nicht mehr im Bild. Entweder, bin Laden ist so schwer verletzt, dass er nicht mehr zum Heldendarsteller taugt. Oder er ist tot, die aufgezeichnete Stimme nur eine Hinterlassenschaft. Der Angriff auf US-Soldaten in Kuwait zeigt, dass der Hass mancher Muslime sich auch in Einzelaktionen entladen kann. Fanatiker brauchen bin Laden nicht als Organisator, sondern als Inspirator. Dazu reichen auch Videobotschaften aus dem Jenseits. Ob bin Laden tot ist oder nicht – der Mythos lebt. clw

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben