Meinung : Der kalte Kardinal

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Wenn ein verheirateter Politiker eine außereheliche Beziehung unterhalte, sagt der Kölner Kardinal Joachim Meisner, dann gehöre er wegen möglicher Persönlichkeitsspaltung zum Arzt, nicht aber auf einen Ministersessel oder an die Spitze einer sich christlich nennenden Partei. Ja Kruzifix, so krachledern hat das bislang keiner formuliert, dabei ist es bis zum Politischen Aschermittwoch noch eine Woche hin. Meisner meint Horst Seehofer, natürlich. Dass der Kardinal in seinem heiligen Furor dem vom Boulevard ertappten CSU-Vize nebst jeglicher Ambitionen auf die Parteispitze gleich auch noch seine Ministertauglichkeit abspricht, das mag man als Kollateralschaden eines weltfremd um sich schlagenden Kirchenmannes abtun. Interessanter ist die Frage, ob Meisner so tun darf, als bewerbe sich Seehofer um den Vorsitz der katholischen Kirche. Darf er? Ja, er darf. Die Maßstäbe mögen manchem antiquiert vorkommen, aber das ist, wenn man so will, eine ziemlich innere Angelegenheit der CSU. Sie trägt diese Maßstäbe bisweilen ja vor sich her. Gefährlich kalt indes ist der Zungenschlag des Kardinals. Wer in einer politischen Auseinandersetzung dem anderen auch noch so spitzfindig attestiert, psychisch krank zu sein, bei dem stimmt am Wertesystem etwas nicht. Meisner versaut die politische Kultur. Vbn

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