Meinung : „Der Kampf ...

Werner van Bebber

... der Kulturen hat eine neue Qualität bekommen.“

Sie wirkt wie der Inbegriff gelungener Integration: Seyran Ates, Rechtsanwältin in Berlin, hat es geschafft in der Einwanderergesellschaft. Sie kümmert sich besonders um zwangsverheiratete türkische Frauen. Sie hat ein Buch geschrieben über die Gastarbeitertochter, der der Erfolg in dieser Gesellschaft doppelt, dreifach schwer gemacht worden ist. Sie war Einwandererkind in einer patriarchalisch geprägten Familie, sie durfte die Wohnung nur verlassen, um in die Schule zu gehen. Sie hat sich trotzdem Freiheiten genommen, die sich junge Frauen hierzulande nehmen können – und ist mit Mutter, Vater und Bruder aneinander geraten. Vor der Hochzeit mit einem Mann, den sie sich nicht ausgesucht hatte, floh sie und versöhnte sich mit der Familie erst, als Vater und Mutter ihren Freiheitsdrang und ihre Vorstellung vom selbstbestimmten Leben akzeptierten. Sie studierte Jura an der Freien Universität, arbeitete in einer Beratungsstelle für Einwanderinnen – und erlebte 1984 brutal, wie es ist, wenn nicht Rechtsbewusstsein, sondern Rachebedürfnis den Umgang unter Migranten beherrscht. In einem türkischen Frauenladen schoss ein Mann um sich. Er tötete eine türkische Frau und verletzte Seyran Ates schwer.

Jahrelang, sagte sie, habe sie an den Folgen der Verletzung gelitten. Der Amokschütze wurde nie gefasst. Heute ist Seyran Ates eine kämpferische Vermittlerin zwischen Welten, die sich weniger denn je verstehen. Sie wirbt auf ihre Weise für den Türkeibeitritt zur EU und verlangt als Frau mit westlichem Wertebewusstsein von hier lebenden Muslimen die kritische Auseinandersetzung mit ihrer Religion.

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