Meinung : „Der Kultur gehört mein Herzblut“

Bernd Matthies

Er liebt die Kultur – und muss immer nur verwalten und verhandeln. Das ist auch in diesen Tagen nicht anders, in denen André Schmitz, der Chef der Berliner Senatskanzlei, in seiner Lieblingsrolle als Strippenzieher hinter den Koalitionsverhandlungen agiert. Am Ende allerdings könnte er durchaus Kultursenator sein und damit an einem Ziel angelangt, auf das seine Karriere schon seit Ende der 80er Jahre hinausläuft.

Der heute 49-jährige Oberhausener, der wie ein alteingesessener Hamburger wirkt – unveränderliche Kennzeichen: Hornbrille in Eulenform, gescheiteltes Haar, gepflegter Anzug –, fiel der Regierbranche schon kurz nach dem Jurastudium als Referent des Hamburger Kultursenators Ingo von Münch auf. 1990 ging er als Verwaltungsdirektor ans Hildesheimer Stadttheater, tauchte zwei Jahre später in gleicher Funktion an Castorfs Volksbühne auf und wurde sofort ständiger Emissär der Bühne für Gespräche mit dem Kultursenator. Man hörte, er sei der Einzige im Haus gewesen, der sich eine Krawatte binden konnte.

Dann wechselte er zur Deutschen Oper, führte nach dem Tod von Götz Friedrich 2000 ein halbes Jahr die Intendanzgeschäfte. 2001 platzte die CDU-SPD-Koalition – und Klaus Wowereit rief an, ein guter Freund seit Jahren. Er suche einen Chef der Senatskanzlei, und zur Entscheidung seien fünf Stunden Zeit.

Doch auch dieser Knochenjob verdarb Schmitz weder den Spaß an der Politik noch die Lust auf Erbauliches. „Der Kultur gehört mein Herzblut“, sagt er, und deshalb war es kaum misszuverstehen, als er sich im Berliner Wahlkampf unerwartet persönlich zu Wort meldete und an den Berliner Opernhäusern herummäkelte.

Kultursenator? Dann würden sich die Akzente deutlich verschieben. Denn bisher sah Schmitz seine Aufgabe vor allem darin, den Regierenden so gut wie möglich aussehen zu lassen. Er gilt als geschmeidiger Vermittler, muss als Seiteneinsteiger keine Rücksicht auf Seilschaften nehmen und pflegt deshalb beste Kontakte auch zur Opposition. Sein Meisterstück war vermutlich die Fusion von SFB und ORB, die er 2002 als Berliner Chefunterhändler in nur acht Monaten über die Bühne brachte.

Bei so viel Geräuscharmut fürchten viele, dass die Kultur beim neuen Senat einfach in der Senatskanzlei verschwinden und auf zahme Anpassung getrimmt werden könnte. Dies allerdings hieße, Schmitz’ Ehrgeiz doch etwas zu unterschätzen.

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