Meinung : Der lange Weg zum Buch

„Berlin sucht den Retter für Tempelhof“ vom 1. August

Das Flughafengebäude Tempelhof eignet sich nicht für den Bibliotheksbetrieb: Das langgestreckte Terminalgebäude entspricht nicht den logistischen Anforderungen an einen Bibliotheksbau. Die erforderliche Einbeziehung der Flugsteige für die öffentlichen Bereiche würde mehrere hundert Meter lange Wege für die Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer und für sämtliche Medientransporte und

Personalwege zur Folge haben. Auch das Konzept von Arnold und Gladisch benennt zwar die Wegebeziehungen, aber erkennt diese Probleme nicht. Mit der Umsetzung dieser Ideen wäre die Bibliothek nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Auch Raumhöhe und Raumvolumen würden zu hohe Betriebskosten nach sich ziehen. Als Neubau geplant ist ein Null-Energie-Haus, das auch in 100 Jahren noch wirtschaftlich beheizt, gelüftet und betrieben werden kann. Dazu kommt, dass bei dieser Planung das Denkmal Flughafenhalle nicht mehr sichtbar wäre. Flughafengebäude und Bibliothek würden Schaden nehmen, weil eine denkmalgerechte Erhaltung und eine funktional gute Bibliothek in erheblichem Widerspruch zueinander stehen. Eine bedarfsgerechte Integration in das Gebäude müsste den denkmalgeschützten Flughafen grundlegend umgestalten. Die Maßnahme gliche einem Neubauvorhaben unter erschwerten Bedingungen. Die Kosten dieses Vorhabens sind nicht günstiger als ein Neubau. Die ZLB im Flughafengebäude Tempelhof unterzubringen, wäre für das Denkmal Flughafengebäude und die neue ZLB untauglich. Auch ist die Erreichbarkeit mit

öffentlichen Verkehrsmitteln am Flughafengebäude viel ungünstiger als am

Neubau-Standort. Dieser liegt direkt am S- und U-Bahnhof Tempelhof und ist so viel besser erreichbar. Wir setzen uns intensiv für den Neubau am Rand des Tempelhofer Feldes ein.

Volker Heller, Stiftung Zentral-

und Landesbibliothek Berlin

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