Meinung : Der Mann am Rohr

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Subtil geht Moskau beim Umgang mit als abtrünnig empfundenen Nachbarstaaten keineswegs zu Werke. Unerbittlich lässt Wladimir Putin die Ukraine derzeit ihre Abhängigkeit von russischen Energielieferungen fühlen. Zwar mag der Groll des mächtigen Mannes in Moskau über seine außenpolitische Schlappe bei der so genannten Orangenrevolution im Nachbarland verständlich sein. Doch leider hat Putin aus den Erfahrungen vor Jahresfrist nichts gelernt. Niemand erwartet von Russland, Nachbarländer auf Dauer mit politischen Gaspreisen zu sponsern – wie derzeit den weißrussischen Diktator Lukaschenko. Doch mit dem willkürlichen und unerbittlich schnellen Drehen an der Preisschraube vermag Moskau den Nachbarn allenfalls die Notwendigkeit enger Kontakte zum Kreml verdeutlichen. Die Kräfte, die für mehr Distanz zu Russland plädieren, können sich durch Moskaus brüskierenden Preispoker bestätigt fühlen; die prorussischen Kräfte in der Ukraine werden durch den Gaskonflikt geschwächt. Wie bei den Präsidentschaftswahlen vor einem Jahr ist der Kreml dabei, die Aussichten seines Günstlings Janukowitsch bei der Parlamentswahl nachhaltig zu beschädigen. tro

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