Meinung : Der Nachwuchs steht Schlange Von Moritz Kleine-Brockhoff

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Mit den jüngsten Bomben auf der Ferieninsel Bali ist die Serie von Terroranschlägen in Indonesien noch lange nicht beendet. Die Polizei hat in den vergangenen Jahren viele Terroristen verhaftet und wird wahrscheinlich weitere festnehmen. Aber mittlerweile ist klar, wie schnell ihr Platz von anderen Militanten eingenommen wird. Offenbar stimmen Berichte, nach denen es in Indonesien mehrere Brigaden mit Männern gibt, die als willige Selbstmordattentäter bereitstehen. Gegen sie ist effektiver Schutz unmöglich.

Auch Führungskräfte sind ersetzbar. Früher gaben die TopTerroristen Hambali und Mukhlas Anweisungen. Beide gehörten der südostasiatischen Terrorgruppe „Jemaah Islamiyah“ an und hatten enge Verbindung zum Terrornetzwerk Al Qaida. Seit ihren Verhaftungen heißen die Organisatoren des Schreckens Azahari und Noordin. Der eine ist Sprengstoffexperte, der andere kümmert sich um Finanzen und Rekrutierung. Bestimmt geben beide gerade ihr Fachwissen weiter, damit im Falle einer Verhaftung keine Lücke in der Kontinuität des Terrors entsteht. Ja, die Wucht der Anschläge hat abgenommen. Durch nationale und internationale Maßnahmen ist es für Terroristen etwas schwieriger geworden. Doch ihre Attentate sind immer noch fürchterlich. Und auf Bali hat die Hauptreisezeit begonnen. Die meisten Urlauber kommen zwischen Oktober und März. Das wussten wohl die Attentäter. Der Zeitpunkt ihrer Untaten hätte perfider kaum gewählt werden können.

Der Nahostkonflikt ist ungelöst, im besetzten Irak herrscht Krieg, Afghanistan ist längst nicht unabhängig. Zu den offensichtlichen Quellen für die Wut fundamentalistischer Muslime kommt in Indonesien eine weitere hinzu. In dem zu 90 Prozent muslimischen Land wächst eine wahre Demokratie. Das empfinden viele Islamisten als Provokation. Indonesien ist ohne Militärintervention da, wo der Irak hin soll. Militante Muslime wollen das nicht wahrhaben, wollen Jakartas Regierung destabilisieren und den Gottesstaat erbomben. Es geht um Grundsatzfragen, genau wie im Nahen und im Mittleren Osten.

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