Meinung : Der Papst in Syrien: Verschenkte Symbole

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Vier Tage hat der Papst in Syrien verbracht. Vier Tage mediale Aufmerksamkeit für ein Land, in das Journalisten sonst eher selten einen Abstecher machen. Zudem hat Johannes Paul II. mit seinem Besuch die syrische Position im Nahostkonflikt moralisch aufgewertet. Das US-Außenministerium verdächtigt Syrien der Terrorismus-Unterstützung - der Papst besucht die von den Israelis zerstörte Stadt Kuneitra auf dem Golan. Hat sich der Papst also von der syrischen Regierung vereinnahmen lassen? Wohl kaum. Er wusste, dass in der angespannten Situation in Nahost die Politik seinen Besuch beherrschen würde. Aber das erhöht auch die symbolische Macht des Vatikan. Diese Verbindung von Pastoralem und Politischem ist vielleicht eines der Erfolgsgeheimnisse von Johannes Paul II. Zum Nahost-Konflikt hat er die bekannten Positionen des Vatikan wiederholt, die, bis auf die Jerusalem-Frage, jenen der arabischen Länder ähneln. Ziemlich mulmig muss es Johannes Paul II. bei der antisemitischen Tirade des syrischen Präsidenten gegen Israel gewesen sein, die er sich gleich zur Begrüßung anhören musste. Davon hat sich der Vatikan sofort distanziert. Dieser Eklat schadete nicht dem Papst, sondern Bashar al-Assad. Assad selbst hat den symbolischen Gewinn, den diese Reise Syrien bescherte, wieder verspielt.

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