Meinung : Der Politiker als Mandant

FLOWTEX-UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSS

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Wäre Walter Döring bloß ein ganz normaler Bürger, wäre an dem Vorgang weiter nichts bemerkenswert. Döring hat vor dem Stuttgarter FlowtexUntersuchungsausschuss weitgehend die Aussage über den Verdacht verweigert, dass er sich eine Umfrage von einer Firma womöglich verdeckt hat finanzieren lassen. Das könnte, wenn es denn so gewesen wäre, eine einem Wirtschaftsminister und FDP-Landeschef nicht erlaubte Vorteilsnahme gewesen sein, weshalb inzwischen auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. In solchen Situationen rät jeder Anwalt seinem Mandanten, mit den Ermittlern zu reden, ansonsten aber den Mund zu halten. Die Aussage zu verweigern, ist sein Recht, die Unschuldsvermutung gilt unverändert fort. Nun ist Döring allerdings nicht ein einfacher Mandant, sondern eben Minister und Parteichef, und ein Untersuchungsausschuss ist auch nicht irgendeine Pressekonferenz. Da bekommt so ein Schweigen rasch etwas Dröhnendes, das obendrein lauter wird, je länger es anhält. Die meisten Politiker, die über echte oder angebliche Affären stolpern, stürzen nicht wegen erwiesener Schuld. Sie stürzen über eigene Ungeschicklichkeiten im Krisenmanagement und darüber, dass die eigenen Leute irgendwann das Elend nicht mehr ertragen mögen. Döring ist in seinem Landesverband nicht unumstritten. Unter allen widrigen Umständen stützen würde ihn die Südwest-FDP vermutlich nicht. bib

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