Meinung : Der Professor in der Scheune

„Irrungen und Wirrungen im Dorf L.“

vom 26. August

Der Bericht zu den Eigentumsproblemen von B. und K. im Dorf L. zeigt einen letztlich tragischen Einzelfall auf, der aber in ähnlicher Form immer wieder auftritt. Die Ursache des Problems liegt nicht bei einem „staatlichen Vermesser“ oder in einem „Katasterkuddelmuddel“, sondern darin, dass scheinbar seit vielen Jahrzehnten die Besitzstandsgrenzen stark abweichend von den im maßgeblichen Liegenschaftskataster – in Preußen geführt seit 1861/65 – dokumentierten Eigentumsgrenzen verlaufen. Warum dieses so ist, lässt sich vermutlich gar nicht mehr gesichert klären.

Dies ändert aber nichts an dem Fakt, dass eine Veränderung der Eigentumsgrenzen nur durch einen notariellen Kaufvertrag und anschließende Vermessung mit Registrierung in Kataster und Grundbuch erfolgen kann, nicht durch sonstiges privatrechtliches Einvernehmen. Juristisch gesehen ist eine nur „per Handschlag“ vorgenommene Grenzänderung ein Nullum, was von einem Rechtsprofessor hätte erkannt werden müssen.

Hätten die Rechtsvorgänger von B. und K. im Dorf L. sich rechtzeitig um eine ordnungsgemäße Vermessung und Katasterregistrierung der Änderungen im Besitzstand gekümmert, würde heute Rechtsfrieden herrschen. Dies lässt sich aber immer noch nachholen, wenn die Parteien aufeinander zugehen.

Es wurde hier früher an der falschen Stelle gespart. Katastervermessung kostet zwar Geld, schafft jedoch bei Grundstücken eindeutige Verhältnisse, die in Deutschland in einem staatlichen Liegenschaftskataster registriert und über das Grundbuchsystem garantiert werden.

Hans-Gerd Becker, DVW Berlin-Brandenburg e.V. – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, Schönwalde-Glien

Der geschilderte Fall ist für einen Laien überraschend. Aber der geschädigte Professor hat eigentlich keinen Grund auszuwandern oder an unserem Rechtsstaat zu zweifeln. Hätte er seine Rechtskenntnisse pflichtgemäß eingesetzt, dann hätte er keinen Schaden erlitten.

Wer eine Katze im Sack kauft, ohne in den Sack - vorher - hineinzuschauen, der darf sich nicht wundern, wenn er zu Hause nur ein Stück Fleisch vorfindet.

Wenn jemand ein Grundstück kauft, hat er die Möglichkeit, durch Einsicht in das Grundbuch und das Liegenschaftskataster sicherzustellen, dass die Kaufsache in natura mit derjenigen „in actis“ übereinstimmt. Und maßgebend ist bei Grundstücken nicht das Haus oder der Zaun, sondern nur das Papier bei den Behörden (Quod non est in actis, non est in mundo). Hätte der Professor B. dies bedacht, dann hätte er die nötigen Informationen eingeholt oder reinholen lassen.

Ein Fall wie dieser wird nicht oft vorkommen. Aber er beweist - ganz im Gegensatz zur Auffassung des Professors, dass wir in einem Rechtsstaat leben. Wer falsche Sachen einkauft, der sollte nicht hinterher die anderen verantwortlich machen.

Wolfgang Böhm, Berlin-Lichterfelde

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