Meinung : Der richtige Ton

ANTISEMITISMUS-KONFERENZ

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Johannes Rau wird sich vermutlich Kritik anhören müssen. Er habe proisraelisch argumentiert und die Leiden der Palästinenser weitgehend ignoriert, könnte die Reaktion in der muslimischen Welt lauten. Tatsächlich hat der Bundespräsident in seiner Rede zur Eröffnung der Antisemitismus-Konferenz der OSZE deutlich Stellung bezogen. Aber mit dem Gespür für den richtigen Ton. Rau hat die Kritiker der israelischen Politik gemahnt, nicht zu vergessen, in welchem Maße die Vernichtungspolitik des NS-Regimes auch heute noch das Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen in Israel prägt. Und wie viel Angst dann Selbstmordattentate und Autobomben angesichts der traumatischen Erinnerung an den Holocaust bei jüdischen Israelis auslösen müssen. Der Bundespräsident hat allerdings auch Kritik an der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern vor dem pauschalen Verdacht, sie sei ja antisemitisch, in Schutz genommen. Es ist Rau gelungen, mit seiner klugen, auch leidenschaftlichen Rede die Grundzüge kritischer Verbundenheit mit Israel zu skizzieren. Ohne relativierend israelische Militärschläge gegen palästinensische Attentate aufzurechnen. Außerdem hat Rau indirekt, aber deutlich signalisiert, dass die unhistorischen und gefährlich dummen Reden, die ein Jürgen Möllemann und Martin Hohmann von sich gegeben haben, für die deutsche Politik nicht einmal ansatzweise maßgebend sind. fan

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