Meinung : Der richtige Weg

RÜCKTRITT DES TÜRKISCHEN WIRTSCHAFTSMINISTERS

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Der dritte und letzte Stratege aus dem alten Machtzirkel hat dem starrsinnigen türkischen Premier Ecevit den Rücken gekehrt: Wirtschaftsminister Kemal Dervis. Mit Dervis, Ex-Außenminister Ismail Cem und Ecevits früherem Kronprinzen Özkan, einem talentierten Organisator, ist die Troika komplett, die das Land mit einer starken sozialdemokratischen Refombewegung auf Europa-Kurs bringen will. Die Loyalität, die Dervis so lange mit dem Rücktritt zögern ließ, galt nicht Ecevit, sondern der Türkei: Der angesehene Weltbank-Profi wollte sichergehen, dass vor der Wahl möglichst wenig Zeit bleibt, um seinen Sanierungskurs zu verwässern. Doch vor ihm liegt jetzt eine noch größere Herausforderung als die Überwindung der Wirtschaftskrise. Das Konzept der Troika, die Wahl zu einem Plebiszit pro Europa zu machen, das sie mit einem überwältigenden Reformauftrag ausstattet, wird nur aufgehen, wenn es gelingt, die vielen sozialdemokratischen Kleinstparteien zu einigen. Die politische Landschaft in der Türkei ist nicht von ungefähr so zersplittert. Die Parteichefs ähneln absolutistischen Fürsten – viele von ihnen sind lieber unumstrittener Herrscher einer Fünf-Prozent-Gruppierung als vierter oder fünfter in einer schlagkrätigen Volkspartei. Für die Überwindung von Absolutismus und Kleinstaaterei bleiben drei Monate. Aber vielleicht verleiht Europa der Türkei ja wirklich Flügel. cvm

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