Meinung : Der Sammler kommt, der Sammler geht

Und die Stadt schaut hinterdrein: Der Verkauf der Kollektion Hans Grothe bringt die Museen in Bedrängnis

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Sammler bilden eine umschwärmte Spezies des Kulturbetriebs. Sie haben, was den Museen fehlt: das Geld, Kunst zu kaufen. Längst haben die Museen den Anschluss an die internationale Gegenwartskunst verloren. Das würde umso deutlicher, gäbe es nicht Sammler, die mit ihren Kollektionen nicht mehr nur Lücken füllen, sondern gleich ganz an die Stelle der zum Zuschauen gezwungenen Museen treten. Was hingegen möglich ist, sind bauliche Maßnahmen, die sich die Kommunen unter dem Signum der Investitionen erlauben können.

So kommt die scheinbar ideale Ehe von Sammler und Kommune zustande: Die Stadt baut ein Museum – oder erweitert ein bestehendes –, und der Sammler gibt seine Bestände. Doch halt: So ganz gibt er sie in den seltensten Fällen. Vielmehr behält er in aller Regel Eigentum und Verfügungsgewalt für sich. Doch die Öffentlichkeit kommt in den Genuss der Kunst, spektakulär im Fall der Berliner Präsentation von Friedrich Christian Flick, kaum minder spektakulär bei der BonnDuisburger Doppelliaison mit dem Immobilienunternehmer Hans Grothe. Der hatte erst dem Bonner Kunstmuseum, bei dessen Neubau Grothes Wünsche Berücksichtigung fanden, als auch der Neuschöpfung des Duisburger Museums Küppersmühle Teile seiner 700 Werke umfassenden Kollektion deutscher Gegenwartskunst als Leihgabe überlassen – und hat diese Sammlung nun mit einem Mal en bloc verkauft.

Das soll sich, wird beschwichtigt, auf Dauer und Gehalt der langfristigen Leihverträge nicht auswirken. Doch wer kann das schon mit Sicherheit sagen – zumal die Verhandlungen darüber offenbar mit harten Bandagen geführt werden? Und selbst wenn die Verträge ihre Gültigkeit behalten, bleibt ein übler Beigeschmack. Schließlich sind die Kommunen in Vorleistung getreten, wie sie es überall tun, wo sie sich die Gunst von Sammlern und die Überführung von Leihgaben in Schenkungen erhoffen. Dabei ist die Städtekonkurrenz groß; wird einem Sammler an einem Ort nicht willfahren, geht er woanders hin. Dann müssen die Kommunen eben schärfer verhandeln – sagen achselzuckend diejenigen, die Kultur eher nur unter Kostengesichtspunkten betrachten. Das ist einerseits richtig; andererseits führt es zu nichts, denn die Kommunen, die auf Distanz zu selbstsüchtigen Sammlern halten, können ihre Museen deswegen finanziell nicht besser ausstatten. Und wird nicht seit Jahren als Allheilmittel gepriesen, private und öffentliche Hände unter dem Signum der public-private partnership zusammenzuführen? Wird nicht allenthalben die Stärkung von Zivilgesellschaft und Bürgerengagement angemahnt?

Der Fall Grothe – der Verkauf einer Privatsammlung an andere Privatsammler als fait accompli – beleuchtet einmal mehr die Gefahren. In anderen Ländern, zumal den so gern als Vorbild zitierten USA, würden sich Museen auf unsichere Leihangebote niemals einlassen: Schenkung ohne Wenn und Aber, lautet die angelsächsische Devise, die nur dann dem edlen Spender Nachruhm verspricht.

Hierzulande müssen beide Seiten noch lernen: die Privaten, dass öffentliche Institutionen nicht bequeme Zwischenlager für sprunghafte Ambitionen abgeben, und die staatliche Seite, nicht jedes Angebot zum Anlass für Vorleistungen zu nehmen, ohne dass eine Lösung auf Dauer gesichert ist. Auf Dauer aber heißt in der Welt der Museen nun einmal: unwiderruflich. Grothes Sache war das nicht. Die Begeisterung für Privatsammler dürfte sich etwas abkühlen – auf eine allerdings gesündere Temperatur.

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