Meinung : Der sanfte Albaner und der deutsche Diplomat

cvm

Drei Wochen erst ist der neue UN-Verwalter Michael Steiner im Kosovo. Doch schon haben sich die zerstrittenen Albaner-Lager auf eine Koalitionsregierung geeinigt und Ibrahim Rugova, die Symbolfigur des friedlichen Widerstands gegen die serbische Diktatur, zum ersten Präsidenten gewählt. Es bot sich ja auch gar keine andere tragfähige Lösung an, aber nach der ersten freien Wahl Mitte November war sie drei Monate lang hintertrieben worden. Die aus der Untergrundarmee UCK stammenden, militanten Jungpolitiker kämpften um mehr Einfluss, weil keine Autorität sie in die Pflicht nahm. Der vorige UN-Verwalter Hans Häkkerup war viel zu selten im Kosovo präsent. Steiner, der als außenpolitischer Kanzlerberater zurücktreten musste, hat erneut bewiesen, dass er zu Deutschlands fähigsten Diplomaten gehört. Das Ausland aber sollte sich die generelle Lehre zu Herzen nehmen: Die prestigeträchtigen Repräsentationsposten in ehemaligen Kriegsgebieten sind keine Sinekure für verdiente Politiker. Ob Kosovo, Bosnien, Mazedonien oder Afghanistan - man darf es sich nicht einmal vorübergehend leisten, die Aufmerksamkeit abzuwenden, weil sonst die alten Animositäten hervorbrechen und der Krieg wieder aufflammen kann. Hochmotivierte Profis werden gebraucht, die mit der richtigen Mischung aus Druck und Entgegenkommen immer neue Kompromisse zwischen den früheren Feinden schmieden, nur dann rückt ein stabiler Frieden langsam näher. In Mazedonien wird bereits wieder geschossen, obwohl dort seit letztem Sommer eine Nato-Friedenstruppe steht. Die EU hat zu lange weggeschaut.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben