Meinung : Der scheinbar sichere Euro

Berichterstattung zur Euro-Schuldenkrise

Das Kennzeichen dieser Krise ist neben dem Schuldenstand die allgemeine Ratlosigkeit über ihr Zustandekommen. Im besten Fall gibt es Mutmaßungen. Aber keine Erklärung. Sie nun gehen mutig „zurück zum Ursprung“. Die Krise wäre „von zwei Phänomenen getrieben: der Überschuldung und … dem schwindendem Vertrauen“. Das nennen Sie „Ursprung“. Und was bitte wäre der Ursprung der Überschuldung? Dazu kein Wort. Dafür eine weitere Tiefsinnigkeit: Was „auch immer“ die Euro-Zone beschließen mag ist zum Scheitern verurteilt, „solange nicht die Schulden sinken“.

Würden Sie Erdbeben mit Verweisen auf Oberflächenspannungen erklären? Diese Krise ist bereits allgemein als „systemimmanent“ diagnostiziert. Tiefergehende Fragen sind also erlaubt.

Zum Beispiel: Woher kommt das viele Geld? Wenn einer 100,- € Schulden hat, hat ein anderer immer 100,- € Guthaben. Das ist bei 100 Billionen € auch nicht anders. Aber wie kann jemand bitte soviel Geld haben? Reden wir doch mal nicht über die Schulden, sondern über die Guthaben. Es ist dieselbe Zahl. Nur mit umgekehrten Vorzeichen. Welche Pleuelstange im Getriebe ermöglicht bei der Verteilung unseres gesellschaftlichen Gesamteinkommens denn so ein sagenhaftes Ungleichgewicht? Und wie sinnvoll oder überhaupt möglich ist ein „Schuldenabbau“ bei unveränderter Existenz dieser Pleuelstange? Warum redet denn keiner darüber?

Zum Beispiel.: Was ist der „Markt“? Kann denn nicht mal jemand diesem anonymen Ungetüm ein Gesicht verpassen? Bilder vom Mond sind doch auch machbar. Einerseits pumpt man Milliarden an Steuergeldern in den „Markt“, damit der ja sein „Vertrauen“ nicht verliert. Auf der anderen Seite kommt genau dieser „Markt“ und „testet“ den Euro. Womöglich mit den gerade erhaltenen Steuergeldern? Ja um Himmels willen da läuft doch auch eine Pleuelstange komplett aus dem Ruder.

Solange wir nicht über diese fehlerhaften Pleuelstangen nachdenken, Herr Döbler, kommen Sie nie zu Ihrem vermeintlichen „Ursprung“.

Enrico Mönke, Berlin-Grunewald

Wann endlich wird der anschwellende Euro-Finanz-Wahnsinn grundlegend bearbeitet? Diese allein von Menschen gemachte Krise. Die Ursache ist klar: Die Maastricht-Verträge hatten keine Chance gegen die Gewinnsucht der Staatsverwalter, der Bankenmanager, der Bürger. Dieses jahrelange Anhäufen der Schulden, garniert mit Visionen und Wahlversprechen, betrieben mit Leichtfertigkeit und Betrug.

Wann endlich wird das andauernde Finanz-Tricksen und Zögern beendet? Seit zwei Jahren ist die Krise offensichtlich. Dennoch werden zig Milliarden Steuerschulden nicht eingetrieben, schuldenbremsende Gesetze und Haushaltsdisziplin verzögert, aber gleichzeitig Milliarden Rettungs-Euros von der Gemeinschaft gefordert. Ist das dumm, dreist, höhnisch?

Dabei ist die Lehre aus der Krise klar: Der Hafen der Eurozone war nur scheinbar sicher. Seit Jahren ist die Mischung aus Staaten mit unterschiedlicher Finanzpolitik und Wirtschaftskraft dabei, den Hafen zu zerstören. Wie die Euro-Jahre und die Krise zeigen, ist sich jeder der Nächste. Das alte Spiel. Weitere Euro-Transfers allein, in welcher Form auch, setzen das Spiel nur fort.

Die Schlussfolgerung ist ebenso klar: Die Lösung kann nur durch bindende Schritte gelingen. Zuerst Euro-weite Staatsverträge zur Finanzpolitik und zur Überwachung des Schuldenabbaus, erst dann begründete Hilfe zum Aufbau der Wirtschaftskraft. Wenn das nicht gelingt, was bleibt dem Euro als Scheitern? Kanzlerin Merkel, die sich deutlich gegen vorausgehende Euro-Transfers wendet, und andere Mitwirkende verdienen hierin jede Unterstützung. Mögen sie beharrlich sein. Auch wenn der Euro wackeln wird, bis eine finanziell und wirtschaftlich überzeugende Gemeinschaft gewonnen wird.

Sepp Seyfert, Berlin-Steglitz

Die Schere zwischen Arm und Reich strebt seit Jahren immer weiter auseinander; in unserem Volk und in ganz Europa. Der idealisierte Euro ist längst gescheitert und musste scheitern. Denn auf das hohe ideelle Ziel war Europa nicht vorbereitet, weder strukturell noch kulturell. Deshalb wirkt der Euro als utopisches Machwerk heute wie eine politische Missgeburt, unter der drei Generationen leiden werden. Außerdem hat Europa das Tor zum Chaos schon längst weit aufgerissen. Die internationale Wertschätzung für Deutschland ist primär ein subjektives Ranking gegenüber anderen EU-Staaten. Dabei geraten die deutsche Selbstüberschätzung und die nur relative Stabilität Deutschlands oft aus dem Blickfeld.

Günter Fluck, Stuttgart

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