Meinung : Der Schutz der Paten

Von Clemens Wergin

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Nordkorea darf heute als das furchtbarste Unterdrückungsregime dieser Erde gelten. Und auch nach außen hat das Land die statistische Erkenntnis belegt, wonach diktatorische und autokratische Regime zu aggressiver Außenpolitik neigen: Selten hat ein Staat so klar und eindeutig den Willen des UN-Sicherheitsrates – des höchsten Weltgremiums – missachtet. Und das in einem Bereich, der wie kein anderer den Weltfrieden gefährdet. Schließlich ist die Atombombe die schlimmste Massenvernichtungswaffe, die menschlicher Geist je ersonnen hat.

Aber wie es so geht mit dem UN-Sicherheitsrat: Noch die schallendste Ohrfeige wird von manchen seiner Mitglieder kleingeredet. Zwar haben auch Russland und China ihre Empörung über den nordkoreanischen Atomtest zum Ausdruck gebracht. Aber auch nach dreifacher Korrektur war den beiden Paten Irans und Nordkoreas die UN-Resolution noch zu stark. Der russische Verteidigungsminister forderte gar ein automatisches Ende der Sanktionen, falls Nordkorea zu den Sechsergesprächen zurückkehre und sich dort Fortschritte ergäben. Als ob das Überschreiten der Atomschwelle durch ein paar kleine Zugeständnisse Pjöngjangs rückgängig gemacht werden könnte.

Das Ringen im UN-Sicherheitsrat war jedenfalls ein ernüchterndes Schauspiel. Und es ist auch den wachsam zuschauenden Iranern nicht entgangen, dass Pjöngjang sich immer noch auf Moskaus und Pekings Fürsprache verlassen kann, selbst nachdem der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il alle vorher gesetzten roten Linien übertreten hat. Nach so viel Gezerre darf man gespannt sein, mit welcher Sorgfalt China seine Landesgrenzen zu Nordkorea und den Luftraum überwachen wird. Schließlich weiß man, dass der klamme Kim Jong Il jedem alles verkauft, solange man mit Devisen bezahlt.

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