Meinung : Der Staat verleiht Flügel US Airways ist zwar pleite – aber noch lange nicht tot

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Von Flora Wisdorff

Die siebtgrößte amerikanische Fluggesellschaft ist pleite. Fast elf Monate nach dem 11. September haben auch die massiven staatlichen Subventionen die marode US Airways nicht retten können. Seit Mitte 1999 schrieb das Unternehmen fast permanent rote Zahlen, in diesem Jahr übersteigt der Verlust bereits eine halbe Milliarde Dollar. Der Schuldenberg liegt bei 7,83 Milliarden Dollar. Und trotzdem: Höchstwahrscheinlich wird US Airways nicht von der Bildfläche verschwinden. Denn der amerikanische Staat wird alles tun, damit die 35 000 Arbeitsplätze der Airline nicht verloren gehen. Unter Gläubigerschutz will sich das Unternehmen mit einem Bankkredit umstrukturieren. Wenn so die Pleite vermieden werden kann, kommt erneut der Staat ins Spiel: mit einer staatlichen Kreditbürgschaft von 900 Millionen Dollar.

Gerade in der Luftfahrtindustrie, in den USA genauso wie in Europa, mischt sich die öffentliche Hand gerne ein. Schließlich hat man gerne eine eigene Fluglinie im Land, das ist gut fürs Image und bringt auch ein paar Arbeitsplätze. Als nach dem 11. September die Passagierzahlen drastisch sanken, half Vater Staat erst recht. In den USA bekamen die Fluglinien insgesamt immerhin einen Scheck über fünf Milliarden Dollar. Auch in Europa wurden die belgische Sabena sowie die Swiss Air nur mit Hilfe des Steuerzahlers vor dem völligen Verschwinden bewahrt. Dass der 11. September nur ein Katalysator der ohnehin schwelenden Krise im Luftverkehr beiderseits des Atlantiks war, wurde elegant verschwiegen.

Sicher, die Anschläge ließen die Passagierzahlen in den USA um 30 Prozent einbrechen, und die Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen sind teuer. Aber schon seit Jahren wäre eine Marktbereinigung nötig, die jedoch weder in den USA noch in Europa bisher stattfindet. Es wird viel Geld ausgegeben, Fluggesellschaften künstlich am Leben zu erhalten.

In Europa erholen sich die Airlines inzwischen vom 11. September – immerhin hat die Lufthansa soeben ihre Gewinnaussichten für dieses Jahr nach oben geschraubt, und die niederländische KLM hat gute Quartalszahlen gemeldet. Aber auch hier fliegen Unternehmen wie die griechische Olympic Airways oder Alitalia nur mit staatlichen Beihilfen weiter. Noch immer wehren sich europäische und amerikanische Regierungen dagegen, dass es einen unbehinderten Wettbewerb gibt – der sich aber langfristig nicht vermeiden lassen wird. Es sei denn, man will weiterhin Milliarden in marode Fluggesellschaften investieren, anstatt das Geld in sinnvollere Projekte zu stecken.

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