Meinung : Der stolze Europäer

„In Teilen erfolgreich“ vom 29. Oktober

Als Belgier habe ich während meines Berlinaufenthaltes mit viel Interesse den Artikel über die Unabhängigkeitsbewegungen in Europa gelesen. Ihre Analyse ist interessant. Ich glaube aber, dass Sie vergessen haben zu erwähnen, dass die Unabhängigkeitsparteien von Schottland bis Katalonien eigentlich alles Parteien sind, die zu der rechten bis extrem rechten Szene gehören. Hinter nationalistischen Gefühlen verstecken sich auch andere Programmpunkte dieser Parteien: Ausländerfeindlichkeit, eine Anti-Europa-Haltung, Anti-Solidarität in der Gesellschaft. Deswegen ist der Erfolg dieser Parteien eher mit den Erfolgen der populistischen und rechtsextremen Parteien in den Niederlanden, Frankreich, Skandinavien, Griechenland zu vergleichen. Diese Unabhängigkeitsparteien sind eine Gefahr für die demokratischen und pluralistischen Werte, die in den Verfassungen Großbritanniens, Spaniens, Italiens oder Belgiens garantiert werden.

Sie schreiben, dass die Einwohner Flanderns und Schottlands sich vielleicht mit den Ländern identifizieren, die es vor 500 Jahren gab. Auch das ist reine Propaganda der Unabhängigkeitsparteien. Als Belgier aus Flandern kann ich mich überhaupt nicht mit einem feudalen Staat aus dem Mittelalter identifizieren. Ich gehöre zu einem demokratischen, europäischen, modernen Staat des 21. Jahrhunderts, worauf ich stolz bin.

Der Nationalismus hat in dem vergangenen Jahrhundert schon mehrmals bewiesen, dass er keine Lösungen bringt, sondern zu dramatischen Konflikten führt. Die nationalistischen Bewegungen in Katalonien, Schottland, im Baskenland, in Flandern oder Südtirol sind darum nicht so harmlos, wie sie scheinen, und sollten mit allen demokratischen Mitteln bekämpft werden.

Erwin De Decker, Belgien

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