Meinung : Der Systemzertrümmerer

„Härtefall Zöllner / Bildung in Berlin"

vom 8. Februar

Senator Jürgen Zöllner hat seit seinem Amtsantritt das bis dahin noch halbwegs funktionierende Schulsystem der Stadt schrittweise zerschlagen. Zur Erinnerung die Etappen: 2006 Pflichtfach „Ethik“ ab Klasse 7, 2007 Turboabitur, 2010 über 100 neue Gesamtschulen unter dem Etikett „Sekundarschule“, 2011 nun (abgesehen von der Grundschule) Schülerlotterie statt Wohnortprinzip.

Im März dieses Jahres werden daher Schulbeamte in Mammutkonferenzen hunderte – wenn nicht tausende – 12-jährige Kinder kreuz und quer durch die Bezirke verschieben und zuweisen, ohne dass die Eltern hierauf noch Einfluss nehmen können. Die Vernachlässigung der Gebäudesubstanz in eher SPD-fernen Stadtvierteln zugunsten zigmillionenschwerer Prestigeprojekte (Campus Rütli, Einstein-Stiftung) sowie jahrelange Leugnung des Lehrermangels runden das Bild ab.

Einsicht ist Herrn Zöllner fremd; er zelebriert wie gehabt seine bekannte Mischung aus Hochmut und Sendungsbewusstsein im Stil eines Sektengurus.

Das alles ist in Berlin jedoch mehrheitsfähig, wie die Wahlumfragen beweisen. Zwar nicht bei den betroffenen Familien, wohl aber bei der rot-rot-grünen Übermacht aus kinderlosen Salonlinken und Hartz-IV-Empfängern. Angesichts dieser speziellen Berliner Bevölkerungsstruktur kann die Politik Eltern aus der „Mitte der Gesellschaft“ bedenkenlos übergehen. Auch die ab September wohl (mit-?) regierenden Grünen haben kein Interesse an einer Grundreparatur des Systems Zöllner. Vielmehr sind dann wohl zusätzlich Sozialquoten, „Busing“ nach US-Vorbild und – laut Frau Künast – mittelfristig auch die Abschaffung des Gymnasiums zu erwarten.

Zu hoffen bleibt, dass bis dahin zumindest ein Teil der rund 35 Prozent Dauernichtwähler doch noch aufwacht.

Rolf Knitter

Berlin-Zehlendorf

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