Meinung : Der Tagesspiegel

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Leistung fordern, Lernen fördern, Orientierung vermitteln, Selbstvertrauen stärken – das sind die pädagogischen Leitsätze für einen Qualitätspakt für Bildung in 16 Ländern, der internationalen Maßstäben gerecht werden kann und muss. Das ist jetzt unsere Aufgabe nach der Analyse der nationalen Pisa-Studie.

Zu einem solchen Qualitätspakt gehört der Konsens in den 16 Ländern über vergleichbare Bildungsstandards in allen Schularten, die sich nicht allein auf die Abschlüsse beziehen. Es sind Standards über Wissen und Kompetenzen, nach einer jeweils zweijährigen Bildungsphase.

Die unionsregierten Länder haben in der Kultusministerkonferenz im Mai in Eisenach erste Standards vorgelegt, auf die wir uns hoffentlich rasch einigen. Dazu gehören Instrumente der Evaluation von Unterricht. Sie beginnen innerhalb einer Schule, werden im jeweiligen Land fortgesetzt und müssen schließlich zu Bildungsvergleichen zwischen den 16 Ländern führen.

Schließlich brauchen wir endlich für alle Schularten vergleichbare zentrale Abschlussprüfungen in den Bundesländer, Prüfungen, die sich in der Vergangenheit als Standard bildend in all jenen Bundesländern erwiesen haben, die seit Jahren solche Abschlussprüfungen haben.

Die Vergleichbarkeit von Bildungsstandards und damit verbundene Analysen zwischen den Ländern sind eine Antwort auf das dramatische Nord-Süd-Gefälle, das die nationale Pisa-Studie zeigt. Es kann nicht sein, dass die Qualität der Bildung vom jeweiligen Wohnort der Eltern abhängig ist. Dramatisch ist das Nord-Süd-Gefälle nicht allein im Blick auf die erbrachten Leistungen in den drei untersuchten Kompetenzbereichen. Ebenso dramatisch ist dieses Nord-Süd-Gefälle im Blick auf soziale Ungleichheiten. Die Leistungskluft zwischen den sozialen Schichten ist in Baden-Württemberg am niedrigsten, in Schleswig-Holstein, Bremen und Nordrhein-Westfalen am höchsten.

Diese Feststellung in der nationalen Pisa-Studie ist der Beleg dafür, dass, wo Leistung gefordert wird, zugleich soziale Gerechtigkeit gefördert wird. Die Gesamtschulen in Deutschland haben nicht zu mehr, sondern im Gegenteil zu weniger sozialer Gerechtigkeit geführt. Das ist ein dramatischer Befund. Und das ist letztlich die Bankrotterklärung für die Sozialdemokraten, die in besonderer Weise den Anspruch der sozialen Gerechtigkeit für ihre schulpolitischen Konzepte erhoben haben. Sie stehen vor einem Desaster.

Wir brauchen jetzt eine Bildungsdebatte, die sich mit Inhalten der Bildung, mit Bildungsstandards und einer Weiterentwicklung des Unterrichts beschäftigt. Wir brauchen keine Zuständigkeitsdebatte, die die Augen vor den tatsächlichen Problemen verschließt und ablenkt von den desaströsen Ergebnissen in SPD-regierten Ländern.

Zum Qualitätspakt gehört eine höhere Bewertung der Sprachentwicklung und damit verbundene Sprachförderung bereits vor Schulbeginn. Das gilt für ausländische Kinder ebenso wie für deutsche Kinder.

Die wichtigste Schulart in der Bildungsbiografie eines Kindes ist die Grundschule. Hier wird das Fundament gelegt. Hier entscheidet sich das Verhältnis von Kindern und Eltern zur Schule. Deshalb sind im Rahmen der Beobachtung von Lernfortschritten beziehungsweise den sich ergebenden Defiziten Zielvereinbarungen zwischen Eltern und Schule anzustreben, die festlegen, welche Fördermöglichkeiten die Schule einerseits und die Eltern andererseits haben. Hier muss mehr Verbindlichkeit erreicht werden in der gemeinsamen Verantwortung von Schule und Eltern für die Schulbiografie des Kindes.

Zur Stärkung der Sprachkompetenz gehört, Kinder möglichst ab der ersten Klasse eine Fremdsprache lernen zu lassen. Für alle weiterführenden Schulen gehört in den Qualitätspakt ein Angebot in Form des Kern– Curriculums, das Differenzierungen ermöglicht, und das eine Stärkung des jeweiligen Bildungskonzeptes bewirkt.

Nicht ein Mehr an Uniformität, sondern mehr Vielfalt in unseren Schulen stärkt die Differenzierung. Und diese weist dann den jeweils geeigneten Weg, um den Grundbildungsstandard in Deutschland generell zu verbessern, die Risikogruppe zu verkleinern sowie die Gruppe der Spitzenreiter zu vergrößern. Pisa-E zeigt übrigens sehr interessante Ergebnisse im Blick auf Jugendliche mit Migrantenhintergrund. Sie erreichen in den Spitzenländern in Deutschland ein Bildungsniveau, das demjenigen deutscher Schülerinnen und Schüler zum Beispiel in Bremen entspricht.

Generell ist festzuhalten: Das festgestellte dramatische Nord-Süd-Gefälle hat nicht allein mit Geld zu tun; es ist auch nicht zufallsbedingt. Es hat zu tun mit falschen bildungspolitischen Konzepten, in denen Leistung nivelliert wurde und in denen letztlich Leistung gegen Chancengleichheit gestellt wurde.

Leistung und soziale Gerechtigkeit sind keine Gegensätze. Sie sind zwei Seiten einer Medaille, ebenso wie die Benachteiligtenförderung und die Begabtenförderung. Die Qualität und Leistungsfähigkeit eines Bildungswesen erweist sich darin, dass niemand zum Modernisierungsverlierer werden darf aber auch, dass keiner seine Talente verstecken muss, sondern entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert wird.

Die Autorin ist Mitglied der CDU und im Kompetenzteam von Edmund Stoiber, sowie Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg. Foto: Mike Wolff

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