Meinung : Der Terror ist Geschichte

Sensation in Nordirland: Endlich erkennt die IRA das britische Gewaltmonopol an

Martin Alioth

W ird irgendjemand sich sträuben“, fragte der Sinn-Féin-Politiker und inzwischen verurteilte IRA-Mann Danny Morrison 1981, „wenn wir die Macht in Irland mit dem Sturmgewehr in der einen und dem Stimmzettel in der anderen Hand ergreifen?“ Er meinte ganz Irland, die souveräne Republik wie auch den britischen Norden.

Jetzt ist das Sturmgewehr verschwunden. Sinn Féin, der politische Flügel der Irisch-Republikanischen Armee, gelangt mit demokratischen Mitteln auf die Ministersessel – und hat formell das britische Gewaltmonopol in Nordirland anerkannt. Damit ist der Nordirlandkonflikt zu Ende.

Erstmals gibt es damit keine Ausflüchte und Vorwände mehr, die einstigen Schmuddelkinder auszugrenzen. Die IRA hat abgerüstet, erst diese Woche bestätigte ein ehemaliger Chef der Terrorabwehr von Scotland Yard, sie habe Terror und Gewalt aufgegeben. Mit Vertretern Sinn Féins in der Polizeiaufsicht ist der lange Marsch der Militaristen in die demokratische Politik abgeschlossen.

Es ist nun am protestantischen Parteiführer Ian Paisley, nach den Wahlen am 7. März die Republikaner als Partner ernst zu nehmen. Hinter den oft berechtigten Bedenken an Sinn Féins demokratischer Reife versteckt sich nicht selten eine nordirische Abart des Rassismus: Die einst zweitklassigen Bürger sollen gefälligst nicht frech werden. Die Blindheit der Protestanten gegenüber früherer polizeilicher Willkür und den Mördern aus dem eigenen Lager hilft auch nicht. Sinn Féin fördert derartigen Starrsinn mit ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit. Es war am vergangenen Sonntag im Dubliner Kongresssaal leicht zu vergessen, dass hier nicht bloß Opfer, sondern auch Täter versammelt waren.

Aber die Sinn-Féin-Führung ist selber schuld, dass sie es nun mit dem rüden Pfarrer zu tun hat: Ihr eigenes Finassieren kostete die gemäßigte Unionistenpartei die Vorherrschaft und begünstigte den Triumph des ewigen Querulanten. Die platt gewalzte politische Mitte kann sich die Schadenfreude nicht verkneifen, denn Paisley ist trotz seines hohen Alters ein Neuling im Metier konstruktiver Politik. Widerstand in den eigenen Reihen ist dem Prediger unvertraut. Das muss er jetzt alles überstürzt lernen.

Der Weg der Rebellen und Bombenleger, die sich jetzt hinter die Polizei stellen, war lang und keineswegs gradlinig. Abtrünnige Militaristen werden weiterhin Anschläge aushecken, aber sie haben keinen politischen Rückhalt.

Die Führung Sinn Féins hat den Wandlungsprozess wenn nicht mustergültig, so doch erstklassig inszeniert. Die beinahe schon traditionelle Spaltung blieb aus. Und ganz egal, ob sich Katholiken und Protestanten, wie von Blair ultimativ gefordert, nach den Wahlen zusammenraufen oder ob es wieder zu einer Übernahme der Verwaltung durch London kommt: Der Terror der IRA ist endgültig Geschichte.

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