Meinung : Der Tintenfisch-Trick

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Zur Blütezeit der Atombombe gab es ein probates Rezept zum Zivilschutz: Man solle für den Fall einer Explosion die Aktentasche vor sich halten, eventuell auch etwas Alufolie um den Körper wickeln und Jodtabletten lutschen. Das war, wir wir heute wissen, nur knapp ausreichend, und deshalb werden solche Anregungen im Zusammenhang mit möglichen Terroranschlägen auf Atomkraftwerke nicht wiederholt. Stattdessen kümmern sich unsere Experten um Vorbeugung. Und prüfen, ob Kraftwerke nicht, zisch, in einer Wolke künstlichen Nebels versteckt werden können, falls ein entführtes Flugzeug naht, ungefähr so, wie sich ein bedrohter Tintenfisch in einer Tintenwolke vom Hof macht. Das Problem des Kraftwerks liegt aber darin, dass es nicht wegschwimmen kann, sondern ganz doof da stehen bleibt, wo es vor der Wolke war, und deshalb gibt es gewisse Bedenken gegen den oberschlauen Trick. Die gewundene Stellungnahme des Umweltministerium ließe sich sogar so lesen: Kompletter Blödsinn. Aber das ist gewiss zu hart argumentiert. Denn es würde sicher helfen, das eingenebelte Kraftwerk rasch auch noch in Folie einzuwickeln und unter Aktentaschen zu begraben. Wenn wir es dann noch dazu bringen, rasch etwas Jod zu schlucken, ist die Sicherheit wieder hundertprozentig gewährleistet.

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