Meinung : Der Verdacht

VON HAGENS OBSKURE KÖRPERWELTEN

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„Ausschließen kann ich nichts“, lautet das Dementi des Leichenschaustellers Gunther von Hagens. Zwar hat er auf seiner Pressekonferenz in Frankfurt/Main bestritten, dass es sich bei den Exponaten der umstrittenen KörperweltenAusstellung um die plastinierten Überreste von Hingerichteten handle. Der „Spiegel“ hatte Hagens diese Woche vorgeworfen, in seiner Körperverwertungsfirma im chinesischen Dalian die zuvor von staatlichen Organhändlern ausgeweideten Leichen hingerichteter Häftlinge verarbeitet zu haben. Gleichzeitig aber räumt von Hagens ein, dass in seinem chinesischen Institut „sieben anonymisierte Ganzkörperpräparate“ gefunden worden seien, die Kopfverletzungen aufweisen, die von einer Exekution stammen könnten. Auch könne er nicht mit Sicherheit verneinen, dass sich unter den von ihm in der Vergangenheit erworbenen Leichen auch Hinrichtungsopfer befänden. Mit diesem Eingeständnis aber sind alle Dementis nichts mehr wert. Hagens versuchte Verteidigung nährt nur den Verdacht, es gehe bei seinem Handel mit Toten aus schwer kontrollierbaren Körper-Welten nur wenig mit menschenrechten Dingen zu. Bisher war von Hagens allen ethischen und juristischen Einwänden gegen die öffentliche Leichenschau mit dem Argument begegnet, die Verstorbenen hätten sich mit ihrer posthumen Verwertung ausdrücklich einverstanden erklärt. Jetzt aber müsste die Stadt Frankfurt Hagens monströse Show zumindest so lange schließen, bis Herkunft und Einverständnis der ausgestellten Toten zweifelsfrei nachgewiesen sind. P.v.B.

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