Meinung : Der vergoldete Schuss

Der FC Bayern ließ sich Lobbyarbeit für Kirch bezahlen

Helmut Schümann

Franz Beckenbauer hat dieser Tage mal wieder geredet vor dem Denken. Wenn die Kritik am FC Bayern anhalte, werde der demnächst in Italien spielen. Ob das die Lösung ist: Abhauen, Augen zu und die Welt bleibt draußen? Das hat schon im Kindergarten nicht funktioniert und es wird auch die Bayern nicht reinwaschen von ihrem dubiosen Vertragsgeflecht mit TV-Tycoon Leo Kirch, wenn sie künftig jenseits des Brenners gegen Turin und Mailand kicken. Obwohl, passen könnt’s: Italien, besonders dem italienischen Fußball, haftet immer noch der Ruf an, zumindest korruptionsanfällig zu sein. Den Chefs des deutschen Rekordmeisters jetzt auch.

Nach derzeitigem Kenntnisstand, den der „Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe erheblich erweitert hat, haben sich die Münchner des Lobbyismus schuldig gemacht – und wenn der Bestechungsparagraph im Strafgesetzbuch nicht die Verjährungsklausel enthielte, es hätte sich mit großer Wahrscheinlichkeit ein Staatsanwalt gefunden, der dem Anfangsverdacht nachgegangen wäre.

Was das Hamburger Magazin jetzt aufdeckte, ist der im Grunde schlichte Beweis, dass der FC Bayern sehr wohl wusste, dass sein 1999 mit Kirch geschlossener Vertrag über maximal 190 Millionen Mark höchst anrüchig war. Es wurde seinerzeit um die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga gepokert, Bieter war neben Kirch auch die Schweizer Agentur Aim International. Die bekam den Zuschlag nicht, trotz lukrativeren Angebots, den Zuschlag bekam bekanntlich Kirch – trotz der Zentralvermarktung im Angebotspaket. Diese Zentralvermarktung war dem FC Bayern und besonders Manager Uli Hoeneß stets ein Dorn im Auge. Der hatte einen höheren Gewinn errechnet, wenn sich sein Klub alleine vermakeln ließe und Gegner seiner Interessen wie den heutigen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes und ehemaligen CDU-Politiker Gerhard Mayer-Vorfelder beschimpft, er wolle den Sozialismus im Fußball einführen.

Nun ja, unterschrieben aber wurde im Kirch-Vertrag das Gegenteil, was wohl ein Hoeneß-Wort, wonach Lüge Bestandteil der Branche sei, bestätigt, die Sache aber nicht besser macht. Auch nicht, dass sich die Vertragspartner wenigstens intern geschämt haben und dem Vertrag eine halbseitige Geheimhaltungsverpflichtung beifügten.

Was folgt daraus? Aus einem „einfachen Geschäft“, wie es Beckenbauer nennt, das – wie der Schwabe Hoeneß, wenn er denn ehrlich wäre, sagen würde – ein G’schmäckle hat? Mutmaßlich nichts. Die Meisterschaft ist entschieden. Mit einer schmerzhaften Sanktion tut sich die Liga schwer, weil ihre Chefs selber involviert sind in Kirchs Verstrickungswerk. Und Italien? Vorher muss Beckenbauer noch die Weltmeisterschaft 2006 organisieren. Das wird er nicht als Abtrünniger tun. Die Bayern bleiben hier. Es gibt Aspekte, unter denen man das als schade empfinden kann.

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